Was man fand und wie man es erklärte
Das letzte Beispiel ist die bekannteste und umstrittenste Vermutung. Sie stammt von einer Forscherin antiker Texte, die auf die Übereinstimmung der Fundorte aufmerksam wurde: Geschichten über Greife kamen genau aus Gegenden, die reich an solchen Funden waren.
Der Zusammenhang zwischen einem bestimmten Mythos und einem bestimmten Fund lässt sich fast nie beweisen: Schriftliche Zeugnisse vom Moment der Entdeckung selbst gibt es nicht. Sicher ist nur, dass man die Knochen fand, ausstellte und erklärte; die Geschichten bleiben eine plausible Vermutung.
Vorsicht ist auch deshalb angebracht, weil Bilder von Ungeheuern ganz ohne Knochen entstanden. Eine Schlange, eine große Raubkatze und ein Raubvogel liefern fast alle Merkmale eines Drachen - und die Fantasie konnte sie zusammensetzen.
Was wir sicher wissen
Knochen wurden öffentlich ausgestellt und erklärt. Ein Walwirbel in einer Kirche, der als Rippe eines Riesen galt, ein Mammutstoßzahn am Stadttor, ein Zahn eines prähistorischen Tieres, der als Horn eines Einhorns präsentiert wurde - all das ist dokumentiert und braucht keine Vermutungen.
Die Ausstellung selbst war wichtig. Man versteckte den Fund nicht, sondern platzierte ihn an einem gut sichtbaren Ort als Bestätigung des gemeinsamen Weltbilds - und spätere Generationen sahen nicht mehr einen Knochen, sondern den Beweis für die Geschichte.
Der Wendepunkt kam, als klar wurde, dass Arten aussterben können. Zuvor schien der Gedanke an das Aussterben unmöglich, und jeder Knochen musste einem Wesen zugeschrieben werden, das irgendwo noch lebte.
Wofür hielt man den Schädel eines Zwerg-Elefanten?
Wie gut ist ein bestimmter Mythos mit einem bestimmten Fund verknüpft?
Quellen
- Fossile Knochen großer Tiere wurden lange vor der Entstehung der Paläontologie gefunden und öffentlich ausgestellt
- man erklärte sie als Belege für Riesen, Drachen und Einhörner. Hypothesen, nach denen bestimmte mythologische Bilder aus konkreten Funden entstanden, bleiben spekulativ
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