Drei Wellen, drei Folgen
- 14. Jh.Quarantäne, die Isolation von Ankommenden und die ersten städtischen Gesundheitsdienste entstehen.
- 19. Jh.Kanalisation und Wasserleitungen werden gebaut, Trinkwasser und Abwasser voneinander getrennt.
- 20. Jh.Vorgaben für Sonne und Luft verändern die Stadtplanung: große Fenster, Balkone und Abstände zwischen den Häusern.
- HeuteNach der jüngsten Pandemie stellen sich wieder Fragen zu Belüftung und Dichte.
Die zweite Entwicklung ist der klarste Fall. Lange Zeit brachte man Krankheiten mit schlechter Luft in Verbindung, bis erst die Beobachtung an einer Wasserpumpe in einem Londoner Viertel zeigte, dass das Problem im Wasser lag. Die falsche Theorie hatte dennoch etwas Gutes: Der Kampf gegen Gerüche half gleichzeitig dabei, die Stadt zu säubern.
Die dritte Entwicklung veränderte nicht die Infrastruktur, sondern das Aussehen der Gebäude. Die Forderung nach Sonne und Durchlüftung führte zu Vorschriften für Abstände von der Bauflucht, Höhenbegrenzungen im Verhältnis zur Straßenbreite und großen Fenstern, die zum Kennzeichen der Architektur des Jahrhunderts wurden.
Was im Alltag geblieben ist
- Getrennte RohreDie Trennung von sauberem Wasser und Abwasser ist eine direkte Folge von Epidemien und keine bloße Bequemlichkeit.
- Große FensterDie Vorgabe für Sonnenlicht in Wohnräumen entstand im Kampf gegen Tuberkulose.
- Waschbecken am EingangDie Gewohnheit, sich beim Nachhausekommen die Hände zu waschen, setzte sich durch Kampagnen im 19. und 20. Jahrhundert fest.
Auffällig ist, dass sich die Maßnahmen in zwei Arten teilen. Die einen sind in die Stadt eingebaut und funktionieren ohne menschliches Zutun: Rohre, Abstände und Belüftung. Die anderen beruhen auf Gewohnheiten und geraten daher in Vergessenheit, sobald die Sorge nachlässt.
Historiker weisen auf ein weiteres Muster hin: Größere Investitionen wurden nur unter dem frischen Eindruck eines Ausbruchs getätigt. Kanalbauprojekte wurden jahrzehntelang diskutiert und innerhalb weniger Monate nach einem erneuten Ausbruch genehmigt.
Daher unterscheiden sich auch die Städte. Wo ein Ausbruch in eine Phase des Wachstums und vorhandener finanzieller Mittel fiel, waren die Veränderungen tiefgreifend. Wo das nicht der Fall war, beschränkte man sich oft auf vorübergehende Maßnahmen, die später wieder aufgehoben wurden.
Es lohnt sich auch, an den Preis dieser Lösungen zu denken. Der Bau einer Kanalisation bedeutete, die Stadt jahrelang aufzureißen, Viertel abzureißen und Menschen umzusiedeln. Der Widerstand gegen solche Projekte war nicht geringer als der, den heute jedes große Bauvorhaben auslösen kann.
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Quellen
- Die Gesundheitsreformen des 19. Jahrhunderts, die Trennung von Wasserversorgung und Kanalisation sowie die Vorgaben zur Besonnung zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden als Reaktion auf Cholera- und Tuberkuloseepidemien