Wie das funktioniert
Der erste Punkt macht das Wesentliche deutlich. Hunger bedeutet in der modernen Welt fast nie, dass es in einem Land physisch keine Nahrung gibt - es geht um Zugang: Wer darf passieren, einkaufen, etwas bekommen und es transportieren?
Der zweite Punkt ist besonders verheerend, weil er die Reserve trifft. Ein bäuerlicher Betrieb übersteht ein schlechtes Jahr dank seiner Reserve; wird diese Reserve weggenommen, wird aus einem schwierigen Jahr ein tödliches.
Was sagt das Recht dazu?
Die vorsätzliche Vorenthaltung von Gegenständen, die für das Überleben der Zivilbevölkerung notwendig sind, ist nach dem humanitären Völkerrecht verboten; einzelne Resolutionen bezeichnen den Einsatz von Hunger als Methode der Kriegsführung ausdrücklich als unzulässig. Die Absicht nachzuweisen, ist jedoch äußerst schwierig.
Die Schwierigkeit besteht darin, dass fast alles zwei mögliche Erklärungen hat. Eine zerstörte Brücke kann militärisch notwendig sein oder der Bevölkerung den Zugang zu Nahrung nehmen; ein aufgehaltener Konvoi kann einer Sicherheitskontrolle dienen oder Hilfe blockieren. Die Unterscheidung erfordert Dokumente und Zeit.
Hier kommt die Arbeit derjenigen ins Spiel, die solche Situationen dokumentieren. Sie sammeln Daten zu den Preisen auf den Märkten, zur Bewegung von Lieferungen und zum Gesundheitszustand von Kindern - und setzen daraus ein Bild zusammen, das kein einzelner Vorfall vermitteln kann.
Historikerinnen und Historiker mahnen zugleich zur Vorsicht. Selbst Jahrzehnte später kann es unmöglich sein, vorsätzliche Vorenthaltung von unfähiger Verwaltung und einer Verkettung von Umständen zu unterscheiden - und über viele Fälle wird weiterhin gestritten.
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Quellen
- Das humanitäre Völkerrecht verbietet, Hunger unter der Zivilbevölkerung als Methode der Kriegsführung einzusetzen, sowie die Zerstörung von Gegenständen, die für das Überleben notwendig sind
- in der Praxis erfordert die Unterscheidung zwischen vorsätzlicher Vorenthaltung des Zugangs und den Folgen militärischer Handlungen oder Fehlern in der Verwaltung eine systematische Datenerhebung