Was auf dem Weg hinein passiert
- Annäherung
- Streckung
- Horizontübertritt
- Gleichungen versagen
Der zweite Schritt ist unter einem Begriff bekannt, der an Spaghetti erinnert. Die Anziehungskraft ist an deinen Füßen stärker als an deinem Kopf, und der Unterschied nimmt zu, je näher du kommst. Dein Körper wird in die Länge gezogen - bei einem kleinen Schwarzen Loch passiert das lange vor dem Horizont.
Interessanterweise ist es bei riesigen Schwarzen Löchern anders. Dort ist der Unterschied der Anziehungskraft über die Länge eines menschlichen Körpers gering, und du kannst den Horizont überqueren, ohne etwas Besonderes zu spüren. An dieser Stelle gibt es weder eine Wand noch einen Lichtblitz.
Der dritte Schritt ist nicht deshalb unumkehrbar, weil dir die Geschwindigkeit fehlt. Hinter dem Horizont führt jeder mögliche Weg nach innen: Die Bewegung zum Zentrum wird genauso unvermeidlich wie für uns der nächste Tag.
Warum wir nicht wissen, was danach kommt
Im Zentrum ergibt sich aus den Gleichungen ein Punkt unendlicher Dichte. Unendlichkeit bedeutet in der Physik fast immer nicht eine Eigenschaft der Welt, sondern dass die Theorie ihren Gültigkeitsbereich überschritten hat.
Das Problem ist, dass dort sowohl die Gravitation als auch Quanteneffekte wichtig sind - und eine Theorie, die beides verbindet, gibt es bisher nicht. Die vorhandenen Beschreibungen liefern Vorhersagen, die sich nicht überprüfen lassen.
Was im Zentrum passiert: Vorhersagen gibt es, Überprüfungen nicht
Eine eigene Argumentationslinie betrifft das Schicksal von Informationen. Wenn alles, was hineinfällt, spurlos verschwindet, wird eines der grundlegenden Prinzipien der Physik verletzt. Der Streit darüber dauert seit Jahrzehnten an und gilt als eines der wichtigsten ungelösten Probleme.
Auch über die Zeit gibt es eine Beobachtung. Für dich als hineinfallende Person geschieht alles schnell, doch für jemanden außerhalb scheint es, als würdest du dich ewig dem Horizont nähern, dabei langsamer und röter werden und ihn niemals überqueren.
Beide Beschreibungen sind gleichzeitig richtig. Das ist kein Paradox und kein Fehler, sondern eine Folge davon, dass das Konzept der Gleichzeitigkeit unter solchen Bedingungen nicht mehr für alle Beobachter gleich ist.
Außerdem sollte man klarstellen, dass ein Schwarzes Loch nichts einsaugt. Würde man die Sonne durch ein Schwarzes Loch mit derselben Masse ersetzen, würden sich die Umlaufbahnen der Planeten überhaupt nicht verändern - es würde nur dunkel werden. Die Anziehungskraft hängt von der Masse ab, nicht von der Dichte.
Was weiß man darüber, was im Inneren eines Schwarzen Lochs passiert?
Was würde eine Person beim Überqueren des Horizonts eines supermassereichen Schwarzen Lochs spüren?
Quellen
- Gezeitenkräfte in der Nähe eines Schwarzen Lochs hängen von seiner Masse ab und sind bei supermassereichen Objekten auf der Größenordnung eines menschlichen Körpers gering
- für die Beschreibung des Inneren braucht man eine Theorie, die Gravitation und Quantenmechanik verbindet und die es bisher nicht gibt
Weiter in der Reihe „Schwarze Löcher“
2 Artikel vollständig auf der Website, noch 3 in der App
