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Warum Frauenkleidung keine Taschen hat

Miqo-Redaktion · 1 Quelle

Zuerst war die Tasche ein eigenes Stück

Im 17. und 18. Jahrhundert war eine Frauentasche ein separater Beutel an Bändern. Man band ihn unter dem Überrock um die Taille, und im Rock gab es einen Schlitz, durch den man hineingreifen konnte. Er fasste viel: Schlüssel, Geld, Nähzeug und Essen.

Bei Männern waren Taschen damals bereits direkt in die Kleidung eingenäht: in den Justaucorps, die Weste und die Hose. Der Unterschied hatte nichts mit Fürsorge zu tun, sondern mit dem Schnitt: Der Anzug der Männer war fest und strukturiert, die Kleidung der Frauen mehrlagig, und ein hängender Beutel passte besser dazu.

  1. 17. Jh.Die Frauentasche ist ein separater Beutel, der unter dem Rock an der Taille befestigt wird. Geräumig und unsichtbar.
  2. 1790er-JahreDie Mode setzt auf schmale Silhouetten aus dünnen Stoffen. Der Beutel zeichnet sich ab und wird abgeschafft.
  3. 19. Jh.Das Ridikül kommt auf, eine kleine Handtasche, die man in der Hand trägt. Es fasst um ein Vielfaches weniger als die frühere Tasche.
  4. 20. Jh.Taschen kehren teilweise in die Frauenkleidung zurück, bleiben aber kleiner als die der Männer.

Der Wandel war nicht nur technisch. Eine Handtasche trägt man in der Hand, und das verändert die Körperhaltung: Eine Hand ist ständig beschäftigt. Eine Tasche im Kleidungsstück lässt die Hände frei, und den Unterschied zwischen diesen beiden Arten, Dinge zu tragen, bemerkst du jeden Tag.

Was die Messungen zeigen

Vor einigen Jahren haben Journalisten die Vordertaschen von Dutzenden Jeansmodellen derselben Marken vermessen. Der Unterschied war systematisch, nicht zufällig, und lässt sich durch den Schnitt erklären: Eine enge Passform lässt keinen Platz für eine tiefe Tasche.

Herrenjeansvolle Taschenlänge
Damenjeansetwa halb so lang

Daraus ergibt sich eine alltägliche Kleinigkeit, die viele ärgert: Ein Handy passt vollständig in die Tasche einer Männerjeans und ragt aus der einer Frauenjeans heraus. Außerdem gibt es Taschen, die fest zugenäht oder nur durch Ziernähte angedeutet sind - sie dienen lediglich der Silhouette.

Der Grund ist jedoch keine Verschwörung, sondern eine Abfolge von Entscheidungen über den Schnitt. Eine enge Passform wird höher bewertet als Fassungsvermögen, doch dafür wäre mehr Stoff nötig, der die Passform beeinträchtigen würde. Der Designer entscheidet sich jedes Mal für eines von beidem - und gegen die Tasche.

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Wo befanden sich Frauentaschen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts?

Quellen

  1. Hängende Frauentaschen aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind in Museumssammlungen erhalten. Systematische Messungen von Taschen in modernen Jeans führte die Publikation The Pudding 2018 durch

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