Vor der Reform
Der Briefträger brachte den Brief und verlangte von der adressierten Person das Porto. Man konnte die Annahme verweigern, und viele taten das: Sie sahen den Umschlag, erkannten den Absender und gaben den Brief ungeöffnet zurück. Die Post beförderte solche Briefe kostenlos und machte dabei Verlust.
Daraus entstand ein weit verbreiteter Trick. Der Absender brachte außen vereinbarte Zeichen an, der Empfänger las sie, verstand alles und verweigerte die Zahlung. Die Nachricht war zugestellt, aber die Post bekam kein Geld. Solche Tricks waren weit verbreitet.
Der Empfänger zahlte. Der Preis hing von der Entfernung und der Anzahl der Blätter ab, und man konnte die Annahme verweigern
Der Absender zahlte im Voraus. Der Preis war im ganzen Land gleich, und man konnte die Annahme nicht verweigern
Die Preisberechnung war eine zusätzliche Plage. Entfernung und Anzahl der Blätter wurden berücksichtigt, deshalb schrieb man lange Briefe in winziger Schrift und quer über bereits Beschriebenes, damit alles auf ein Blatt passte. Der Angestellte musste das Ganze wiegen und den Preis anhand von Tabellen berechnen.
Was die Reform änderte
- 1837Ein Vorschlag erscheint: Der Absender zahlt, und es gibt einen einheitlichen, niedrigen Tarif.
- 1840Die erste Briefmarke erscheint. Das aufgeklebte Stück Papier bestätigt, dass der Brief bezahlt ist.
- 1841Die Zahl der Briefe steigt stark: Sie sind günstiger, einfacher und erfordern kein würdeloses Feilschen an der Tür mehr.
- DanachAndere Länder übernehmen das System, und es wird zum weltweiten Standard.
Das Hauptargument des Reformers war wirtschaftlicher, nicht humanitärer Art. Er zeigte, dass die größten Kosten der Post nicht durch den Transport entstanden, sondern durch die Berechnung des Portos und die Auseinandersetzungen mit den Empfängern. Auf die Berechnung zu verzichten bedeutete eine größere Ersparnis, als durch die Preissenkung verloren ging.
Die Rechnung ging auf. Ein günstiger Einheitspreis machte das Briefeschreiben vom seltenen Ereignis zur alltäglichen Angelegenheit, und das Aufkommen wuchs so stark, dass die Einnahmen nicht sanken. Gleichzeitig begannen Menschen einander zu schreiben, für die die alten Tarife unerschwinglich gewesen waren.
Die Briefmarke löste auch ein technisches Problem. Es brauchte einen Zahlungsnachweis, den man nicht auf einen anderen Brief übertragen konnte und der sich auf einen Blick prüfen ließ. Ein gummiertes Stück Papier mit einem Entwertungsstempel war dafür ideal: Nach der Entwertung konnte es nicht erneut verwendet werden.
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Quellen
- Die Reform wurde 1837 von Rowland Hill vorgeschlagen
- die erste Klebemarke wurde 1840 im Vereinigten Königreich herausgegeben, und das System verbreitete sich schnell in anderen Ländern