Wie es dazu kam
Mitte der 1880er-Jahre trafen sich die europäischen Mächte in Berlin, um Regeln für die Aufteilung zu vereinbaren. Es ging weniger um die Gebiete selbst als um das Verfahren: Wie konnte man Ansprüche anmelden, ohne gegeneinander Krieg zu führen?
Die dritte Zahl erklärt den Rest. Die Grenzen wurden von Menschen gezogen, die nicht in diesen Gebieten lebten, und zwar anhand von Karten, auf denen große Teile des Landesinneren nur ungefähr oder gar nicht eingezeichnet waren. In dieser Situation war es am einfachsten, eine gerade Linie entlang eines Breiten- oder Längengrads zu ziehen.
Eine gerade Linie auf der Landkarte bedeutet fast immer, dass sie weit entfernt vom jeweiligen Ort gezogen und zwischen Außenstehenden ausgehandelt wurde, nicht mit den Menschen vor Ort.
Das Tempo der Aufteilung war atemberaubend. Innerhalb von zwei Jahrzehnten war fast der gesamte Kontinent unter mehreren Staaten aufgeteilt. Viele dieser Grenzen wurden von den Menschen, die sie zogen, weder vorher noch nachher vor Ort überprüft.
Was daraus entstand
Die Grenzen zerschnitten Völker und fassten zugleich Gruppen in einem Staat zusammen, die weder eine gemeinsame Sprache noch eine gemeinsame Geschichte oder einen Grund hatten, einander zu vertrauen. Einige Länder hatten keinen Zugang zum Meer, bei anderen wurden die Rohstoffe mittendurch geteilt.
Nach der Unabhängigkeit standen die neuen Staaten vor einer Wahl: die Grenzen neu ziehen oder sie lassen, wie sie waren. In den 1960er-Jahren beschlossen die afrikanischen Länder, die bestehenden Linien anzuerkennen, um keinen Krieg aller gegen alle zu beginnen. Die Entscheidung war umstritten, aber die Alternative schien schlimmer.
Bei der Bewertung der Folgen sollte man einfache Erklärungen vermeiden. Die Grenzen erschwerten den neuen Staaten das Leben, waren aber nicht der einzige Faktor: Auch die Struktur der kolonialen Wirtschaft, das Fehlen von Institutionen und die Einmischung der Großmächte während des Kalten Krieges spielten eine Rolle.
Aufschlussreich ist auch, wie diese Linien vor Ort aussehen. Sie verlaufen durch Flüsse, Gebirgszüge und Dörfer und stimmen mit keiner natürlichen Grenze überein. Wo eine Grenze einem Fluss oder Gebirge folgt, ist sie fast immer älter als die koloniale Aufteilung.
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Quellen
- Die Berliner Konferenz von 1884-1885 legte Regeln für die Aufteilung afrikanischer Gebiete unter den europäischen Mächten fest. Die Organisation für Afrikanische Einheit verabschiedete 1964 das Prinzip der Unverletzlichkeit der übernommenen Grenzen