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Miqo-Redaktion · 1 Quelle

Warum man Papier sparte

Vor der Postreform hing der Preis eines Briefes von der Zahl der Blätter und der Entfernung ab, und ein zweites Blatt verdoppelte die Kosten. Auch Papier war nicht billig. Wer doppelt so viel auf ein Blatt schrieb, konnte einen langen Brief zum Preis eines kurzen verschicken.

Diese Methode war weit verbreitet und galt nicht als schlampig. Gebildete Menschen schrieben so, darunter auch bekannte Schriftsteller, und die Empfänger empfanden es als normal. Viele solcher Briefe sind erhalten geblieben und sehen wie ein dichtes Buchstabengitter aus.

Es ist leichter zu lesen, als es aussieht. Das Auge lernt ziemlich schnell, einer Richtung zu folgen und die senkrechte Schicht auszublenden.

Wie lässt sich das überhaupt lesen?

  • Ausrichtung. Die Zeilen der einen Schicht verlaufen waagerecht, die der anderen senkrecht. Das Gehirn kann eine Orientierung beibehalten und die andere unterdrücken.
  • Tintenfarbe. Die zweite Schicht wurde oft später und mit einer anderen Tinte geschrieben, und mit der Zeit unterschieden sich die Farben noch stärker.
  • Gerade Zeilen. Man schrieb mit dem Lineal oder auf liniertem Papier, sodass die Schichten nicht durcheinandergerieten.
  • Übung. Die ersten Zeilen sind schwierig, danach geht das Lesen fast im normalen Tempo weiter. Es ist eine Fähigkeit, kein Talent.

Manchmal ging man noch weiter und fügte diagonal eine dritte Schicht hinzu. Solche Briefe sind selbst mit Erfahrung schwer zu lesen, deshalb scannen Archivare sie meist und trennen die Schichten am Computer, um ihre Augen zu schonen.

Warum die Methode verschwand

Sobald der Preis eines Briefes nicht mehr von der Zahl der Blätter abhing, entfiel der Grund für die Platzersparnis. Mit dem Aufkommen der maschinellen Produktion wurde auch Papier billiger. Die Methode verschwand innerhalb einer Generation und wirkte bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts altmodisch.

Geblieben ist ein unerwartetes Vermächtnis: Solche Briefe sind eine wertvolle Quelle für Historiker. Sie enthielten mehr Einzelheiten als gewöhnliche Briefe, weil der Autor nicht an Worten sparte, während er Papier sparte.

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Quellen

  1. Kreuzschrift war in Europa und Amerika bis zur Postreform Mitte des 19. Jahrhunderts weit verbreitet, als der Preis nicht mehr von der Zahl der Blätter abhing