Wer war er?
In den Aufzeichnungen von Ethnografen wird der Domowoi als unsichtbarer Bewohner beschrieben, der für Ordnung sorgt, fleißigen Menschen hilft und Nachlässigen schadet. Er lebt hinter dem Herd oder unter der Schwelle, isst, was man ihm hinstellt, und mag weder Lärm noch Streit.
Viele Forschende bringen ihn mit dem Ahnenkult in Verbindung: Man konnte ihn als Begründer des Hauses verstehen, der sich weiterhin um seine Nachkommen kümmert. Daher sprach man ihn als Hausherrn oder Großvater an, nicht mit seinem Namen.
- SpeiseÜber Nacht ließ man Milch, Brei oder Brot stehen. Das war kein Opfer für einen Gott, sondern der Anteil des Hausherrn, wie bei jedem, der im Haus lebt.
- UmzugMan rief den Domowoi mit: Man sprach ihn direkt an und nahm manchmal Kohlen aus dem alten Herd oder einen Besen mit.
- ViehMan glaubte, dass er bei Pferden eine bevorzugte Fellfarbe hatte. Diejenigen, die er nicht mochte, soll er zugrunde gerichtet haben, weshalb man versuchte, sie zu verkaufen.
Das dritte Beispiel zeigt besonders deutlich die praktische Funktion solcher Vorstellungen. Wenn ein Pferd schlecht fraß und mager wurde, war sofort eine Erklärung zur Hand - und damit auch eine Lösung: das Tier austauschen, ohne nach der Ursache zu suchen.
Wozu war er nötig?
Der Glaube an den Domowoi erklärte kleine Missgeschicke im Haushalt: Etwas war verschwunden, eine Diele knarrte oder jemand hatte einen belastenden Traum. Alles bekam eine Ursache und vor allem eine Möglichkeit, die Sache in Ordnung zu bringen - aufräumen und ihm etwas zu essen hinstellen.
- Er ist an das Haus gebunden, nicht an einen Ort oder an Menschen im Allgemeinen.
- Man soll ihn wie ein Mitglied des Haushalts füttern.
- Man trifft Vereinbarungen mit ihm, statt ihn zu vertreiben.
- Er belohnt Ordnung und bestraft Unordnung.
- Beim Umzug ruft man ihn mit.
Der vierte Punkt erklärt, warum sich der Brauch hielt. Der Glaube an den Domowoi half dabei, den Haushalt zu führen: ein aufgeräumtes Haus, über Nacht abgedecktes Geschirr und kein Streit vor den Kindern wurden nicht als Regeln dargestellt, sondern als Dinge, die dem Hausherrn gefielen.
Ähnliche Gestalten gibt es bei vielen Völkern Europas: Hausgeister, die man füttert und mit denen man sich nicht streitet. Namen und Einzelheiten unterscheiden sich, das Muster bleibt gleich - ein unsichtbarer Bewohner mit Anspruch auf seinen Anteil.
Wofür hielt man den Domowoi?
Welche Rolle spielte der Glaube an ihn im Alltag?
Quellen
- Ethnografische Aufzeichnungen beschreiben den Domowoi als Hausgeist, der mit dem Ahnenkult verbunden ist
- Rituale, bei denen man ihn füttert und beim Umzug mitnimmt, sind bei den Ostslawen belegt und haben Parallelen bei anderen Völkern Europas
Weiter in der Reihe „Slawische Mythen“
2 Artikel vollständig auf der Website, noch 2 in der App
