Warum Arbeitskräfte nach der Pest erstmals verhandeln konnten
Die Pest kam mit Handelsschiffen: Im Herbst 1347 brachten genuesische Schiffe sie nach Messina. Von dort aus breitete sie sich über Häfen und Straßen aus, durch Italien, Frankreich, England, die deutschen Länder und Skandinavien. Ein Dorf konnte innerhalb eines Monats die Hälfte seiner Einwohner verlieren. Bis 1351 hatte die Krankheit fast ganz Europa erfasst.
Dann begann etwas weniger Offensichtliches. Die Felder, Mühlen, Speicher und das Vieh waren noch da, verschwunden waren die Menschen, die sich darum kümmerten. Zum ersten Mal seit Jahrhunderten gab es weniger Arbeitskräfte als Arbeit. Ein Bauer, der früher an seinem Stück Land festgehalten hatte, konnte nun dorthin gehen, wo man ihm mehr bot, und wurde eingestellt.
Europas Bevölkerung um 1400, ungefähr dieser Anteil des Niveaus vor der Epidemie
Die Behörden versuchten, das mit Gesetzen rückgängig zu machen. In England verboten eine Verordnung von 1349 und das Arbeiterstatut von 1351, mehr zu zahlen als vor der Pest; ähnliche Vorschriften gab es in Frankreich und Kastilien. Sie wurden kaum befolgt: Arbeitgeber mussten weiterhin mehr zahlen, nur heimlich. Erst im 16. Jahrhundert erreichte Europa wieder seine frühere Bevölkerungszahl: Zwei Jahrhunderte lang blieb Arbeit teuer, und im Westen wich die Fronarbeit allmählich der Lohnarbeit und den Abgaben.
Vierzig Tage im Hafen: Woher die Quarantäne kam
Städte erkannten, dass die Krankheit mit Menschen und Fracht ankam, lange bevor sie ihre Ursache kannten. 1377 verfügte Ragusa, das heutige Dubrovnik: Menschen, die aus von der Pest betroffenen Orten kamen, mussten 30 Tage an einem dafür bestimmten Ort warten, bevor sie die Stadt betreten durften. Später verlängerte sich die Frist in den Häfen auf 40 Tage. Das italienische quaranta, »vierzig«, gab dem Wort »Quarantäne« seinen Namen.
Zur selben Zeit entstanden vorübergehende Gesundheitskommissionen. In italienischen Städten wurden daraus dauerhafte Behörden: Sie zählten die Toten, ließen Häuser abriegeln und kontrollierten Ankommende. Der Erreger wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt, doch das Verfahren, das man im Blindflug entwickelt hatte, funktionierte auch ohne ihn. Von den drei Antworten auf die Pest funktionierte nur diese. Gesetze zu den Löhnen scheiterten fast überall. Die dritte Antwort bestand darin, Schuldige zu suchen: 1348 und 1349 wurden Jüdinnen und Juden beschuldigt, Brunnen vergiftet zu haben, und ihre Gemeinden wurden angegriffen. Auch päpstliche Verbote konnten das nicht verhindern.
Daraus folgt nicht, dass die Pest allein ein neues Europa geschaffen hätte. Östlich der Elbe kam es zum Gegenteil: Bis zum 16. Jahrhundert war die Abhängigkeit der Bauern nur noch stärker geworden. Dieselbe Krankheit, ein anderes Ergebnis, entscheidend war, wer in der jeweiligen Region die Bedingungen diktieren konnte. Über den Zusammenhang zwischen der Pest und der Renaissance streiten Historikerinnen und Historiker bis heute.
- Achte nicht auf die Zahl der Toten, sondern darauf, was nach der Katastrophe knapp wurde.
- Schau, wer in der Region die Bedingungen diktieren konnte, davon hing das Ergebnis ab.
- Trenne den Wortlaut eines Gesetzes davon, wie es umgesetzt wurde.
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Quellen
- Die Schätzungen zu den Verlusten gehen auseinander: Am häufigsten ist von einem Drittel bis zur Hälfte der Bevölkerung die Rede, in einzelnen Regionen von mehr. Die Daten stammen aus Dokumenten des 14. Jahrhunderts: dem englischen Arbeiterstatut von 1351 und der Verfügung von Ragusa aus dem Jahr 1377