DE
App ladenApp laden

Wie Hungersnöte die Gesellschaft veränderten

Miqo-Redaktion · 2 Quellen

Es geht nicht nur um die Ernte

Die Untersuchung großer Hungersnöte zeigte immer wieder dasselbe Muster: Auf dem Höhepunkt der Hungersnot wurden Lebensmittel aus den betroffenen Regionen abtransportiert, während die Preise schneller stiegen als die Einkommen. Nahrung war vorhanden, aber nicht alle konnten sie sich leisten.

Daraus entstand eine inzwischen bekannte Beobachtung: Massenhafte Hungersnöte kommen fast nie dort vor, wo es eine freie Presse und eine Regierung gibt, die abgewählt werden kann. Nicht, weil dort mehr Nahrung vorhanden wäre, sondern weil Probleme rechtzeitig bekannt werden und sich nicht verschweigen lassen.

Eine Hungersnot ist häufiger eine Folge davon, wer worauf Anspruch hat, als eine Folge schlechter Ernten. Dadurch ist sie vor allem ein politisches Phänomen.

Was sie veränderte

  • Umsiedlung. Hungersnöte lösten einige der größten Migrationswellen aus und veränderten die Bevölkerung ganzer Länder über Generationen hinweg.
  • Gesetze. Nach großen Hungersnöten entstanden Systeme zur Erfassung und Lagerung von Vorräten sowie Regeln für die Unterstützung Bedürftiger.
  • Städte. Menschen zogen aus Dörfern in die Städte und beschleunigten damit Veränderungen, die sonst Jahrzehnte gedauert hätten.
  • Nachfolgende Generationen. Bei Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft eine Hungersnot erlebt hatten, wurden noch Jahrzehnte später gesundheitliche Besonderheiten festgestellt.

Der letzte Punkt beruht auf einem gut dokumentierten Fall: einem Hungerwinter in einem besetzten Land, in dem detaillierte medizinische Aufzeichnungen erhalten blieben. Anhand dieser Aufzeichnungen ließ sich eine ganze Generation verfolgen und Unterschiede im Erwachsenenalter erkennen.

Der zweite Punkt erklärt, warum Systeme zur Unterstützung überhaupt entstanden. Getreidespeicher, Regeln für die Versorgung und die Erfassung Bedürftiger wurden nicht aus Barmherzigkeit eingeführt, sondern als Reaktion auf konkrete Katastrophen und ihre politischen Folgen.

Es gibt auch ein soziales Erbe. In Gesellschaften, die Hungersnöte erlebt haben, verändert sich der Umgang mit Essen und Vorräten langfristig: Die Gewohnheit, nichts wegzuwerfen, zu Hause einen langfristigen Vorrat zu halten und bei einem leeren Regal unruhig zu werden, wird an Kinder und Enkel weitergegeben.

Teste dich1 / 2

Was ist die häufigste Ursache einer massenhaften Hungersnot?

Quellen

  1. Der Ansatz, der eine Hungersnot nicht als absoluten Mangel an Nahrung, sondern als ungleiche Verteilung des Zugangs zu ihr erklärt, wurde in wirtschaftswissenschaftlichen Untersuchungen formuliert
  2. langfristige Folgen für die Nachkommen wurden anhand medizinischer Aufzeichnungen aus dem Hungerwinter 1944-45 nachverfolgt

Weiter in der Reihe „Hungersnot“

2 Artikel vollständig auf der Website, noch 2 in der App

Alle Artikel

2 weitere Artikel der Reihe sind in der App

Sie liegen unter „Dunkle Geschichte → Hungersnot“. Kostenlos.

Quiz · 10 FragenWie gut kennst du dich mit „Hungersnot“ aus?