Es geht nicht nur um die Ernte
Die Untersuchung großer Hungersnöte zeigte immer wieder dasselbe Muster: Auf dem Höhepunkt der Hungersnot wurden Lebensmittel aus den betroffenen Regionen abtransportiert, während die Preise schneller stiegen als die Einkommen. Nahrung war vorhanden, aber nicht alle konnten sie sich leisten.
Daraus entstand eine inzwischen bekannte Beobachtung: Massenhafte Hungersnöte kommen fast nie dort vor, wo es eine freie Presse und eine Regierung gibt, die abgewählt werden kann. Nicht, weil dort mehr Nahrung vorhanden wäre, sondern weil Probleme rechtzeitig bekannt werden und sich nicht verschweigen lassen.
Eine Hungersnot ist häufiger eine Folge davon, wer worauf Anspruch hat, als eine Folge schlechter Ernten. Dadurch ist sie vor allem ein politisches Phänomen.
Was sie veränderte
Der letzte Punkt beruht auf einem gut dokumentierten Fall: einem Hungerwinter in einem besetzten Land, in dem detaillierte medizinische Aufzeichnungen erhalten blieben. Anhand dieser Aufzeichnungen ließ sich eine ganze Generation verfolgen und Unterschiede im Erwachsenenalter erkennen.
Der zweite Punkt erklärt, warum Systeme zur Unterstützung überhaupt entstanden. Getreidespeicher, Regeln für die Versorgung und die Erfassung Bedürftiger wurden nicht aus Barmherzigkeit eingeführt, sondern als Reaktion auf konkrete Katastrophen und ihre politischen Folgen.
Es gibt auch ein soziales Erbe. In Gesellschaften, die Hungersnöte erlebt haben, verändert sich der Umgang mit Essen und Vorräten langfristig: Die Gewohnheit, nichts wegzuwerfen, zu Hause einen langfristigen Vorrat zu halten und bei einem leeren Regal unruhig zu werden, wird an Kinder und Enkel weitergegeben.
Was ist die häufigste Ursache einer massenhaften Hungersnot?
Wo kommen massenhafte Hungersnöte fast nie vor?
Quellen
- Der Ansatz, der eine Hungersnot nicht als absoluten Mangel an Nahrung, sondern als ungleiche Verteilung des Zugangs zu ihr erklärt, wurde in wirtschaftswissenschaftlichen Untersuchungen formuliert
- langfristige Folgen für die Nachkommen wurden anhand medizinischer Aufzeichnungen aus dem Hungerwinter 1944-45 nachverfolgt
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