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Warum Zeugen von Verbrechen geschwiegen haben

Miqo-Redaktion · 2 Quellen

Wie Untätigkeit entsteht

  1. Bemerken: In Lärm und Eile fällt vieles gar nicht erst auf
  2. Als Problem erkennen: Die ruhigen Gesichter um dich herum legen nahe, dass nichts passiert
  3. Verantwortung übernehmen: Je mehr Menschen da sind, desto leichter nimmt man an, dass jemand anderes helfen wird
  4. Wissen, was zu tun ist: Wer nicht weiß, wie er helfen kann, tut eher gar nichts

Die zweite Ebene ist die tückischste. Eine Person schaut sich um, sieht ungerührte Passantinnen und Passanten und schließt daraus, dass sie sich irren muss. Dabei tun alle anderen genau dasselbe und kommen zum gleichen Schluss.

Die dritte Ebene erklärt die Zahlen. Ist eine Zeugin allein, greift sie oft ein; sind es zehn, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass jede Einzelne eingreift, weil sich die Verantwortung auf alle verteilt und am Ende bei niemandem liegt.

Was wir genauer wissen

Eine wichtige Erkenntnis der letzten Jahre: Aufnahmen realer Konflikte auf der Straße zeigen, dass in den meisten Fällen doch Hilfe kommt. Entscheidend ist nicht, dass Hilfe vollständig ausbleibt, sondern dass sie sich verzögert und nur ein kleinerer Teil der Anwesenden eingreift.

Auch die berühmte Geschichte, mit der das gesamte Forschungsfeld begann, wurde präzisiert. Spätere Überprüfungen zeigten, dass einige Einzelheiten des Zeitungsberichts übertrieben waren: Es gab weniger Zeuginnen und Zeugen, und einige riefen tatsächlich die Polizei.

Historische Fälle bringen weitere Gründe hinzu. Schweigen kann nicht psychologisch, sondern kalkuliert sein: aus Angst vor Vergeltung, wegen einer Abhängigkeit von der handelnden Person, weil es keinen Ort zum Melden gibt oder aus der Überzeugung, dass eine Meldung nichts ändern wird.

Deshalb betrachten Analysen solcher Fälle nicht nur die Menschen, sondern auch die Strukturen: Gab es eine Möglichkeit, anonym etwas zu melden, wurde die meldende Person geschützt, und geschah danach irgendetwas?

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Noch 1 Minute, und am Ende ein Quiz. Zu finden unter „Dunkle Geschichte → Vergessene Verbrechen“

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Quellen

  1. Experimente haben gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit des Eingreifens einer einzelnen Zeugin oder eines einzelnen Zeugen sinkt, wenn die Zahl der Anwesenden steigt
  2. Analysen von Videoaufnahmen realer Konflikte zeigen, dass in den meisten Fällen eingegriffen wird, jedoch mit Verzögerung und durch einen kleineren Teil der Anwesenden. Die Umstände des ursprünglichen Zeitungsberichts, der die Forschung auslöste, wurden später präzisiert