Woher die Auszahlungen kommen
Jedes Einkommen kommt irgendwoher: aus dem Verkauf eines Produkts, einer Dienstleistung oder der Nutzung von Geld. Das Erste, was eine Pyramide tut, ist, diese Frage aus dem Gespräch zu verdrängen. Statt der Einkommensquelle zeigt man dir das Ergebnis: eine Grafik, einen Screenshot der Auszahlung, eine Bekannte, die ihr Geld bereits bekommen hat.
Es gibt nur eine Quelle: die Beiträge der Menschen, die nach dir eingestiegen sind. Die Auszahlung an die erste Teilnehmerin stammt aus dem Geld der zweiten und dritten. Das System wurde nach Charles Ponzi benannt: 1920 versprach er Anlegern in Boston schnelle Gewinne mit internationalen Postcoupons, doch kaum jemand kaufte diese Coupons, und alte Anleger wurden mit dem Geld neuer bezahlt.
Das Geld kommt von außen: Jemand hat für ein Produkt oder eine Dienstleistung bezahlt. Neue Anleger beschleunigen das Wachstum, aber ohne sie verschwindet der Umsatz nicht.
Das Geld kommt von innen: Die später Eingestiegenen zahlen. Stoppt die Anwerbung, gibt es schon bei der nächsten Auszahlung nichts mehr zu verteilen.
Deshalb hat ein Pyramidensystem kein schwaches Quartal. Es kennt nur zwei Zustände: der Zustrom wächst oder das System existiert nicht mehr.
Warum der Zusammenbruch in der Struktur steckt
Damit die Früheren bezahlt werden können, muss der Zustrom die Auszahlungen übertreffen. Deshalb muss jede neue Teilnehmergruppe größer sein als die vorherige. Wenn jede Person sechs weitere anwirbt, braucht man in der siebten Runde bereits mehrere Zehntausend Menschen, und wenige Runden später geht die Zahl in die Milliarden. Die Menschen gehen aus, bevor das Geld ausgeht.
Wie viele Menschen in jeder neuen Runde nötig sind, wenn jede Person sechs weitere anwirbt
So weit kommt es meistens gar nicht. Es reicht, dass die Anwerbung langsamer wird: Auszahlungen verzögern sich, jemand fordert seinen Beitrag zurück, das Gerücht verbreitet sich, und alle kommen gleichzeitig, um ihr Geld abzuholen. So endete MMM in Russland 1994. In Albanien hatten ähnliche Systeme bis 1996 einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung erfasst, und nach ihrem Zusammenbruch Anfang 1997 breiteten sich im ganzen Land Unruhen aus.
Ein Szenario, keine Messung: die Woche, in der der Zustrom stoppte, zuerst kleine Verzögerungen, dann gar keine Auszahlungen mehr
Warum die Ersten Freunde ehrlich einladen
Frühe Teilnehmer erhalten tatsächlich Auszahlungen. Sie müssen nicht lügen: Direkt neben dir steht ein echter Mensch mit echten Erfahrungen und echtem Geld. Genau das macht solche Systeme gegenüber Warnungen so widerstandsfähig, Statistiken glaubst du nicht, einer Bekannten schon. Sie ist keine Komplizin, sondern einfach näher am Anfang eingestiegen.
Das ist schwerer zu erkennen, als es scheint: Viele solcher Systeme haben ein echtes Produkt, manchmal sogar ein ganz gutes. Du solltest nicht auf das Produkt schauen, sondern darauf, woher das Einkommen der teilnehmenden Person kommt: Verkäufe an außenstehende Kundinnen und Kunden bedeuten Handel; Beiträge und verpflichtende Käufe der von dieser angeworbenen Menschen bedeuten ein Pyramidensystem in Verkleidung.
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Quellen
- Charles Ponzi, Boston, 1920. Der Zusammenbruch der Pyramidensysteme in Albanien wird in einem Arbeitspapier des IWF analysiert (C. Jarvis, 1999)