DE
App ladenApp laden

Warum die Wahl zwischen zwei guten Optionen schwerfällt

Miqo-Redaktion · 2 Quellen

Verzicht, der etwas kostet

Wenn du zwischen gut und schlecht wählst, kannst du die zweite Option leicht verwerfen. Du verlierst nichts, sondern wirst sie los. Sind beide Optionen gut, nimmt dir jede geschlossene Tür etwa so viel, wie dir eine offene bringt. Aus „Was nehme ich?“ wird unmerklich „Worauf verzichte ich?“ - und darauf gibt es keine schnelle Antwort.

Der Psychologe Kurt Lewin nannte das schon in den 1930er-Jahren einen Annäherungs-Annäherungs-Konflikt: Beide Ziele ziehen dich gleichzeitig an. In seinem Modell galt dieser Konflikt gerade als leicht lösbar - sobald du dich einer Option zuneigst, gibt sie den Ausschlag. Doch das Modell spricht von Anziehung und schweigt über Verlust: Wenn du wählst, schließt du die andere Tür. Daher dieses vertraute Gefühl: Du entscheidest dich und zweifelst eine Minute später, obwohl du nichts Neues erfahren hast.

Gut gegen schlecht

Der Verzicht kostet nichts. Der Unterschied ist sofort sichtbar, die Entscheidung dauert Sekunden, und du denkst nicht wieder darüber nach.

Gut gegen gut

Der Verzicht kostet ungefähr so viel wie der Gewinn. Du musst nach Unterschieden suchen, und der Zweifel bleibt auch nach der Entscheidung.

Warum die Entscheidung bei Gleichstand am längsten dauert

Modelle der Entscheidungsfindung beschreiben Entscheidungen als Evidenzakkumulation: Das Gehirn sammelt Gründe für jede Option, bis der Abstand zwischen ihnen eine Schwelle erreicht. Ist eine Option deutlich besser, wird die Schwelle schnell erreicht. Sind die Optionen fast gleich, wächst der Abstand nur sehr langsam, und die Entscheidungszeit steigt. Das zeigt sich zuverlässig in Experimenten, in denen Menschen Dinge erst einzeln bewerten und dann zwischen Paaren wählen.

50%

Am längsten dauert die Entscheidung, wenn die Präferenz fast genau gleich verteilt ist

Die Mühe, die du dir machst, ist also kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Messwert: Die Optionen liegen wirklich nah beieinander. Langes Nachdenken sagt hier etwas über die Qualität beider Optionen aus, nicht über deine Unfähigkeit zu entscheiden. Und umgekehrt: Eine leichte Wahl bedeutet häufiger, dass eine Option einfach schwächer ist - nicht, dass du besonders entschlossen bist.

Doch das ist noch nicht alles. Nach einer Entscheidung bewerten Menschen das Gewählte oft etwas höher und das Abgelehnte etwas niedriger. Der Unterschied, der vor der Wahl fehlte, entsteht nachträglich und lässt die frühere Entscheidung überzeugend wirken. Der Effekt ist seit Langem bekannt, doch bei klassischen Experimenten wurde eine methodische Schwäche gefunden, und einige Wiederholungen zeigen nur einen schwachen Effekt: Die Belege sind nur mittelstark - der Effekt zeigt sich, aber nicht in jeder Studie. Das ist also eine plausible Erklärung, kein gesicherter Fakt.

Teste dich1 / 2

Warum fällt die Wahl zwischen zwei guten Optionen schwerer?

Quellen

  1. Kurt Lewin beschrieb den Annäherungs-Annäherungs-Konflikt in Arbeiten zur Feldtheorie (1930er-Jahre)
  2. in seinem Modell galt dieser Konflikt als leicht lösbar. Die längere Entscheidungszeit bei ähnlich wertvollen Optionen ist eine Vorhersage von Modellen der Evidenzakkumulation und wurde in Studien zu Entscheidungen zwischen zuvor bewerteten Gegenständen bestätigt. Die Neubewertung des Gewählten nach einer Entscheidung (Brehm, 1956) wurde methodisch kritisiert: Chen & Risen, 2010

Weiter in der Reihe „Entscheidungen“

5 Artikel vollständig auf der Website, noch 5 in der App

Alle Artikel

5 weitere Artikel der Reihe sind in der App

Sie liegen unter „Psychologie → Entscheidungen“. Kostenlos.

Quiz · 22 FragenWie gut kennst du dich mit „Entscheidungen“ aus?