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Warum Kinder ohne ihre Eltern evakuiert wurden

Miqo-Redaktion · 1 Quelle

So sah es aus

In den ersten Septembertagen 1939 brachte Großbritannien innerhalb weniger Tage rund 1,5 Millionen Menschen aus den Städten in Sicherheit. Kinder gingen in Kolonnen von den Schulen zu den Bahnhöfen, mit einem Pappschild am Mantel und jeweils einem Koffer. Begleitet wurden sie von Lehrkräften, nicht von ihren Müttern: Mütter mit Kindern unter fünf Jahren durften mitfahren, die anderen blieben zurück.

~1,5 Mio.in den ersten Tagen evakuiert
3 Tagedauerte die erste Welle
~10.000Kinder ohne Familien aus Europa evakuiert

Eine eigene Geschichte waren die Züge, mit denen jüdische Kinder aus Nazi-Deutschland und den Nachbarländern gebracht wurden. Dort war die Trennung keine praktische Entscheidung, sondern eine Bedingung: Visa wurden für Kinder ausgestellt, nicht aber für Erwachsene. Eltern setzten ihr Kind in den Zug, obwohl sie wussten, dass sie es vielleicht nie wiedersehen würden.

Warum die Eltern zurückblieben

  • Arbeit. Erwachsene Arbeitskräfte wurden in den Fabriken und Krankenhäusern gebraucht, und zwar in den Städten, die bombardiert wurden.
  • Transport. Die Zugkapazität wurde in Sitzplätzen berechnet: Eine Familie nahm viermal so viel Platz ein wie ein Kind mit einer Lehrkraft.
  • Unterbringung. Ein Haus auf dem Land konnte ein Kind aufnehmen, aber keine Familie mit ihrem Gepäck.
  • Reihenfolge. Zuerst rettete man diejenigen, die sich nicht selbst retten konnten: Kinder, Kranke und ältere Menschen.

Die Logik war sinnvoll, doch der Preis fiel höher aus als erwartet. Im ersten Winter blieben die Bombenangriffe aus, und mehr als die Hälfte der Kinder wurde von ihren Eltern nach Hause geholt, kurz bevor die Angriffe ernsthaft begannen. Im Herbst 1940 musste die Evakuierung wiederholt werden, und beim zweiten Mal fiel sie schwerer als beim ersten.

Was daraus entstand

Die Trennung kostete mehr, als die Organisatoren erwartet hatten. Ärzte, die mit evakuierten Kindern arbeiteten, stellten fest, dass viele von ihnen den Verlust ihres Zuhauses schwerer verkrafteten als die Bombenangriffe selbst. Diese Beobachtungen wurden zur Grundlage der Nachkriegsforschung über Bindung und darüber, dass ein Kind mehr braucht als ein Dach über dem Kopf und Nahrung.

Man zog daraus Konsequenzen. Evakuierungspläne versuchten in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, Familien als Ganzes zusammenzuhalten oder zumindest ein erwachsenes Familienmitglied beim Kind zu lassen. Das ist die wichtigste Lehre aus einer Geschichte, die ursprünglich als rein logistische Aufgabe gedacht war.

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Quellen

  1. Die britische Evakuierung von 1939 und der Abtransport von Kindern aus Europa sind in Kriegsdokumenten festgehalten. Die Beobachtungen an getrennten Kindern bildeten die Grundlage für die Arbeiten von John Bowlby und Anna Freud aus dem späten 1940er-Jahren