Die Skala des Akzeptablen
Die Idee wird als Fenster beschrieben: Zu jedem Zeitpunkt kann öffentlich nur das diskutiert werden, was darin liegt. Alles jenseits des Randes klingt abwegig, nicht weil es verboten ist, sondern weil es einem peinlich ist, es auszusprechen.
Das Fenster verschiebt sich allmählich. Zuerst spricht jemand am Rand das Undenkbare aus, den man nicht ernst nehmen muss. Dann wird es als exotische Idee diskutiert, danach als eine von mehreren Positionen und schließlich als vernünftige Vorsicht.
Techniken, die das bewirken
- Testballon: Eine Aussage so formulieren, dass man sie zurücknehmen kann, und dabei schon die Reaktion messen.
- Radikalerer Standpunkt: Daneben eine noch radikalere Position einführen, sodass die frühere im Vergleich gemäßigt wirkt.
- Neue Wortwahl: Einer unangenehmen Handlung einen neutralen Namen geben, damit sich ruhiger darüber sprechen lässt.
- Wiederholung: Je öfter eine Behauptung zu hören ist, desto vertrauter wirkt sie, unabhängig von den Argumenten.
Auch der ganz gewöhnliche Gewöhnungseffekt wirkt. Die erste Meldung über etwas Empörendes löst einen Aufschrei aus, die zehnte macht müde. Aufmerksamkeit ist begrenzt, und ein ständiger Nachrichtenstrom dämpft die Reaktion ganz von selbst.
Wichtig ist, dass sich die Skala in beide Richtungen verschiebt. So wurden auch Dinge normal, die heute als unbestreitbar richtig gelten: Sicherheitsgurte, Rauchverbote in Innenräumen und die Einstellung zu körperlichen Strafen.
Daran lässt sich die Verschiebung auch erkennen. Vergleiche sie nicht mit dem vergangenen Monat, sondern mit dem vergangenen Jahrzehnt: Einzelne kurze Schritte wirken jeweils vernünftig, und erst der Blick über die lange Strecke zeigt, wie weit du gekommen bist.
Was beschreibt die Idee eines beweglichen Akzeptanzfensters?
Wie lässt sich die Verschiebung am einfachsten erkennen?
Quellen
- Die Vorstellung einer beweglichen Grenze öffentlich akzeptabler Positionen ist als Overton-Fenster bekannt und wird in der Analyse politischer Kommunikation verwendet
- sie beschreibt die Wahrnehmung dessen, was akzeptabel ist, nicht rechtliche Verbote. Die Verschiebung wird mit Wiederholung, der Neudefinition von Begriffen und dem Auftreten radikalerer Positionen in der Nähe in Verbindung gebracht. Eine abnehmende Reaktion auf wiederholte Nachrichten wird als Gewöhnung beschrieben
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