Woraus es besteht
Den dritten Punkt heben Forschende besonders hervor. Solange der Gegner ein Mensch bleibt, gelten die üblichen Verbote. Der Vergleich mit einer Krankheit oder einem Parasiten hebt sie auf, weil auf eine Krankheit die Begriffe Grausamkeit und Gerechtigkeit nicht anwendbar sind.
Den vierten Punkt kannst du leicht selbst überprüfen. Nimm Propagandamaterial von zwei verfeindeten Seiten und entferne die Namen: Oft sind die Texte dann kaum noch voneinander zu unterscheiden. Vorwürfe, Ton und Aufbau stimmen überein.
Warum das gemacht wird
Die erste Aufgabe ist der Zusammenhalt. Ein gemeinsamer Feind vereint eine vielfältige Gruppe schnell und zuverlässig, besser als jedes gemeinsame positive Ziel. Interne Meinungsverschiedenheiten werden dabei als unangebracht zurückgestellt.
Die zweite ist die Rechtfertigung. Handlungen, die unter normalen Umständen eine Erklärung erfordern würden, erklären sich mit einem Feind scheinbar von selbst: Das ist keine Entscheidung, sondern eine erzwungene Reaktion. Die Verantwortung wird auf die andere Seite abgewälzt.
- Eine ganze Gruppe wird als ein einziges Wesen mit einem Willen beschrieben.
- Jede ihrer Handlungen wird mit böser Absicht erklärt, jede unserer Handlungen mit den Umständen.
- Es werden Vergleiche mit Krankheiten, Insekten oder Naturgewalten verwendet.
- Menschen, die innerhalb der Gruppe widersprechen, werden zu Helfern des Feindes erklärt.
- Zweifel an dieser Darstellung werden mit Verrat gleichgesetzt.
Die letzten beiden Punkte zeigen, dass der Mechanismus nicht nur nach außen wirkt. Er richtet sich immer auch nach innen, denn für den Zusammenhalt muss zusätzlich die Diskussion über das Feindbild selbst unterdrückt werden.
Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass ein realer Konflikt die Analyse solcher Methoden nicht ausschließt. Die Seiten können ungleich sein, und die Aggression kann real sein, doch diese Methoden werden trotzdem eingesetzt und funktionieren auf dieselbe Weise.
Welche Methode im Feindbild gilt als die gefährlichste?
Woran erkennt man ein solches Konstrukt?
Quellen
- Die Propagandaforschung beschreibt ein festes Muster von Methoden zur Bildung eines Feindbilds: die Homogenisierung einer Gruppe, die Unterstellung von Absichten, entmenschlichende Vergleiche und die Spiegelung der Vorwürfe gegnerischer Seiten
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