Ein Gericht für den Glauben, nicht für Taten
Diebstahl, Schlägereien und Mord gingen die Inquisition nichts an - dafür war das weltliche Gericht zuständig. Das Tribunal prüfte nur eines: ob du richtig glaubst. In seinen Akten stand statt „Verbrechen“: „Irrtum“, „Verdacht auf Ketzerei“ und „unbedachte Äußerung“.
Vor Gericht kamen nur Getaufte: Ein ungetaufter Jude oder Muslim fiel nicht unter die Zuständigkeit des Tribunals. Die 1478 gegründete spanische Inquisition richtete sich nicht gegen Juden, sondern gegen zum Christentum Bekehrte und deren Nachkommen: Man verdächtigte sie, zu Hause zu ihrem früheren Glauben zurückgekehrt zu sein. Die Taufe öffnete den Weg in die Gesellschaft und stellte einen Menschen zugleich unter Überwachung.
der Fälle spanischer Tribunale von 1540-1700 - wegen Äußerungen
Am häufigsten wurde Gesagtes vor Gericht gebracht
Die größte Kategorie in den erhaltenen Berichten spanischer Tribunale lautet „Äußerungen“. Keine theologischen Streitgespräche, sondern Sätze vor Zeugen: dass schlichter außerehelicher Sex keine Sünde sei, dass es keine Hölle gebe, ein beim Kartenspiel gemachter Witz über Heilige. Danach kamen Bigamie, Wahrsagerei und Zaubersprüche für Glück. Ein Verfahren konnte mit der Anzeige einer Nachbarin beginnen, die sich an ein Jahre zurückliegendes Gespräch erinnerte.
Das Denunzieren war in den Kalender eingebaut. Einmal im Jahr wurde in der Kirche das Edikt des Glaubens verlesen: eine Liste von Merkmalen, an denen man einen heimlichen Abtrünnigen erkennen konnte, und die Aufforderung, alle zu melden, an die man sich erinnerte. Schweigen selbst wurde zur Schuld.
Die Strafe war fast nie der Scheiterhaufen: Meist waren es der öffentliche Widerruf vor der ganzen Gemeinde und Buße, seltener Auspeitschung, Gefängnis oder Galeeren. Allein von 1540-1700 gingen etwa 150.000 Fälle durch die Tribunale, und nur wenige Prozent endeten mit einer Hinrichtung; die blutigsten Jahrzehnte waren die ersten 50 Jahre nach 1478. Doch das Urteil belastete die ganze Familie: Kindern und Enkeln wurde der Weg zu öffentlichen Ämtern versperrt.
- Scheiterhaufen - seltene Spitze
- Gefängnis und Galeeren
- Auspeitschung und Schandprozession
- Buße und öffentlicher Widerruf
Hexenjagden gingen meist an der Inquisition vorbei
Massenprozesse wegen Hexerei waren größtenteils nicht ihre Sache. Ihren Höhepunkt erreichten sie Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts, geführt wurden sie meist von weltlichen Gerichten in den deutschen Ländern, der Schweiz und Frankreich, auch in protestantischen Gebieten. Wo ein Inquisitionstribunal den Fall nach seinen Regeln behandelte, hatte die beschuldigte Frau seltsamerweise bessere Chancen.
Die Welle der Hexereiprozesse in Europa: Anstieg, Höhepunkt um 1600, Rückgang. Die Höhe zeigt ungefähre Größenverhältnisse.
Das spanische Tribunal stieg früh aus diesem Spiel aus. Nach dem Prozess von Logroño im Jahr 1610 bereiste der Inquisitor Salazar Dörfer, in denen sich fast 2.000 Menschen der Hexerei schuldig bekannt hatten, und fand keinen einzigen überprüfbaren Beweis: Die Aussagen fielen bei der ersten Detailfrage in sich zusammen. Ab 1614 wurden Geständnisse ohne äußere Beweise nicht mehr akzeptiert. Die Welle stoppte dort, wo jemand langsamer wurde und begann, die Details zu prüfen.
4 einatmen - 6 ausatmen: eine Pause, bevor du glaubst
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Quellen
- Anteile der Anklagen nach einer Zusammenfassung der Berichte spanischer Tribunale von 1540-1700 (Contreras und Henningsen)
- Gesamtschätzungen nach Kamen
- Hexerei in Europa nach Levack