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Was ist das Stockholm-Syndrom?

Miqo-Redaktion · 2 Quellen

Woher der Name kommt

In Stockholm überfielen zwei Personen eine Bank und hielten vier Angestellte fast sechs Tage lang fest. Nach ihrer Befreiung weigerten sich die Geiseln, gegen die Geiselnehmer auszusagen, und äußerten sich positiver über sie als über die Polizei.

Der Begriff wurde von einem Psychiater geprägt, der die Polizei beriet, und zwar im Gespräch mit Journalisten, nicht in einer wissenschaftlichen Arbeit. Die Presse griff die Formulierung sofort auf, und sie verbreitete sich weltweit, bevor man das Phänomen überhaupt untersucht hatte.

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Wie fest der Begriff in der Wissenschaft verankert ist. Er ist weithin bekannt, gehört aber nicht zu den gängigen Klassifikationen psychischer Störungen

Der wichtigste Einwand gegen den Begriff ist seine Seltenheit. Selbst Befürworter schätzen den Anteil der Geiseln mit einer solchen Reaktion als gering ein, und die Daten stammen aus Einzelfällen statt aus systematischen Beobachtungen.

Was hinter dem Phänomen stecken kann

  • Dankbarkeit für ausbleibende Gewalt: Wenn dein Leben von der Entscheidung eines anderen Menschen abhängt, wirkt es wie Freundlichkeit, wenn dir kein Leid zugefügt wird, und nicht wie das Mindeste.
  • Einzige Informationsquelle: Alles, was ein Mensch über das Geschehen weiß, erfährt er von der Geiselnehmerin oder dem Geiselnehmer, eine andere Sicht auf die Dinge gibt es schlicht nicht.
  • Nähe als Schutz: Jemandem zu gefallen, der über dein Schicksal entscheidet, ist eine vernünftige Strategie und keine getrübte Wahrnehmung.
  • Angst vor dem Zugriff: Die Gefahr durch die Befreier kann sich genauso groß anfühlen, und das bringt die Festgehaltenen der Person näher, die sie festhält.

Der dritte Punkt erklärt am meisten. Was von außen wie eine irrationale Bindung aussieht, kann von innen betrachtet besonnenes Verhalten sein: Die Person für sich zu gewinnen, von der du abhängig bist, ist der beste verfügbare Schachzug.

Ein weiteres Problem ist die Übertragung des Begriffs auf Alltagssituationen. Mit ihm wird alles Mögliche erklärt: Beziehungen, Arbeit, Abhängigkeit von einem nahestehenden Menschen. Das ist eine schöne Metapher, aber sie ersetzt die genaue Betrachtung der konkreten Situation durch ein fertiges Etikett.

Das Phänomen ist hauptsächlich anhand von Einzelfällen beschrieben, systematische Beobachtungen gibt es kaum, und manche Fachleute halten es eher für ein journalistisches Etikett als für ein eigenständiges Syndrom.

Und das Etikett hat seinen Preis. Es lenkt die Aufmerksamkeit von der Person, die jemanden festhält, auf die festgehaltene Person, als wäre die wichtigste Frage, warum sie nicht geht, statt warum man sie nicht freilässt.

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Welchen Status hat der Begriff „Stockholm-Syndrom“?

Quellen

  1. Der Begriff entstand 1973 nach einer Geiselnahme in Stockholm und gehört nicht zu den aktuell geltenden Klassifikationen psychischer Störungen
  2. die Evidenzbasis ist auf Beschreibungen von Einzelfällen begrenzt, und die Existenz eines stabilen Syndroms bleibt umstritten

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