So funktioniert das Spiel
- Erste Person erhält Betrag
- Entscheidet, wie viel sie gibt
- Betrag wird verdreifacht
- Zweite Person entscheidet, was sie zurückgibt
Die Beteiligten sehen einander nicht und spielen nur einmal. Die zweite Person ist zu nichts verpflichtet: Sie kann alles behalten, ohne dass Konsequenzen drohen. Nach einer strengen Nutzenrechnung sollte die erste Person überhaupt nichts geben.
In der Praxis sieht es anders aus. Im Durchschnitt gibt die erste Person etwa die Hälfte ab, und die zweite gibt ungefähr ein Drittel des erhaltenen Betrags zurück. Das zeigt sich in Dutzenden Ländern, auch wenn die Anteile deutlich variieren.
Der dritte Balken ist genau der Grund, warum das Spiel entwickelt wurde. Er zeigt die Lücke zwischen dem Modell eines Menschen, der nur zum eigenen Vorteil handelt, und dem tatsächlichen Verhalten von Menschen - und das mit echtem Geld.
Was beeinflusst das?
Am stärksten wirkt sich die Möglichkeit aus, die andere Person zu sehen oder etwas über sie zu erfahren. Schon ein Foto oder eine kleine gemeinsame Information erhöht den weitergegebenen Betrag deutlich, obwohl das den möglichen Gewinn überhaupt nicht verändert.
Der zweite Faktor sind das Land und das soziale Umfeld. Wo das allgemeine Vertrauen laut Umfragen höher ist, geben die Menschen im Spiel mehr weiter. Dieser Zusammenhang zeigt sich auch zwischen Regionen innerhalb eines Landes.
Eine eigene Geschichte sind Versuche, Vertrauen durch das Einatmen von Oxytocin zu beeinflussen. Frühe Studien lieferten ein auffälliges Ergebnis, das sich in populären Artikeln verbreitete. Größere Wiederholungsstudien bestätigten es jedoch nicht, und dieser Forschungszweig wird heute zurückhaltend bewertet.
Eine weitere Erkenntnis betrifft die Erwartungen. Der zurückgegebene Betrag lässt sich am besten nicht durch den Charakter der zweiten Person vorhersagen, sondern dadurch, wie viel sie erhalten hat: Großzügigkeit wird als Zeichen von Vertrauen wahrgenommen und entsprechend erwidert.
Es gibt auch eine Variante des Spiels ohne Verdreifachung, bei der das Geben keinen Gewinn bringt. Dort geben die Menschen deutlich weniger weiter. Das ist ein wichtiges Detail: Vertrauen beruht in Experimenten nicht nur auf der Hoffnung, mehr zurückzubekommen, sondern auch auf der Möglichkeit eines gemeinsamen Gewinns.
Was passiert im Vertrauensspiel?
Was sagt den zurückgegebenen Betrag am besten voraus?
Quellen
- Das Vertrauensspiel wurde in ökonomischen Experimenten der 1990er-Jahre beschrieben. Die durchschnittlichen Anteile der weitergegebenen und zurückgegebenen Beträge lassen sich in verschiedenen Ländern reproduzieren, während sich die Effekte von intranasalem Oxytocin in großen Wiederholungsstudien nicht bestätigten
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