So läuft es ab
- Verbot verkündet
- Nachricht verbreitet sich
- Interesse steigt
- Buch wird gesucht und gelesen
Der zweite Schritt leistet die Hauptarbeit. Die Nachricht über das Verbot ist eine kostenlose Anzeige, die in den Nachrichten landet. Von den meisten verbotenen Büchern erfahren die allermeisten Menschen überhaupt erst durch die Nachricht über das Verbot.
Der dritte Schritt lässt sich durch die Reaktion auf die Einschränkung der Freiheit erklären. Wenn dir eine Wahl genommen wird, wird das Entzogene attraktiver - dieses Muster wurde als eigenständige Gesetzmäßigkeit beschrieben und an ganz unterschiedlichen Dingen überprüft, von Büchern bis zu Waren im Laden.
Die zweite Kachel ist wichtig für ein ehrliches Bild. Der Anstieg ist meist kurz: Nach einigen Wochen lässt das Interesse nach. Langfristig schränkt ein Verbot den Zugang dennoch ein, besonders dort, wo es durch die Entfernung aus Bibliotheken und Schulen verstärkt wird.
Was die Geschichte zeigt
Auch das kirchliche Verzeichnis verbotener Bücher, das über mehrere Jahrhunderte geführt wurde, funktionierte ähnlich: Die Aufnahme darin machte Autorinnen und Autoren nicht selten bekannt. Verlage in anderen Ländern druckten solche Bücher gezielt, weil sie von der Nachfrage wussten.
Derselbe Mechanismus wurde auch in der jüngeren Geschichte unter dem Namen eines Effekts beschrieben, der durch den Versuch entstand, ein Foto aus dem Internet zu entfernen: Eine Klage lenkte unvergleichlich mehr Aufmerksamkeit auf das Foto als die Veröffentlichung selbst.
Es gibt auch Gegenbeispiele, über die seltener gesprochen wird. Eine heimliche Entfernung ohne Ankündigung funktioniert wirksamer als ein laut verkündetes Verbot: Das Buch verschwindet einfach aus dem Verkauf und aus dem Lehrplan, und es kommt zu keinem Anstieg.
Genau deshalb sehen Zensurforscherinnen und Zensurforscher in einem laut verkündeten Verbot ein Zeichen von Schwäche, nicht von Stärke: Es zeigt, dass es nicht gelungen ist, den Inhalt unbemerkt zu entfernen.
Das funktioniert nicht nur bei Büchern. Der Versuch, eine Veröffentlichung zu löschen, ein Dokument geheim zu halten oder die Entfernung eines Beitrags zu erzwingen, führt regelmäßig dazu, dass Dutzende Male mehr Menschen davon erfahren, als den Inhalt ursprünglich gelesen hätten.
Warum steigert ein Verbot meist die Nachfrage?
Was wirkt wirksamer als ein öffentlichkeitswirksames Verbot?
Quellen
- Das wachsende Interesse am Verbotenen wird durch die Reaktion auf die Einschränkung der Wahlfreiheit erklärt
- der Effekt wurde sowohl bei Büchern beschrieben, die in kirchliche Indizes aufgenommen wurden, als auch bei modernen Versuchen, Informationen zu entfernen, während der Anstieg der Nachfrage meist nur kurz anhält
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