Wie es dazu kam
- 16. Jh.Wellen von Anschuldigungen erfassen Europa, und Geständnisse gelten als wichtigstes Beweismittel.
- 17. Jh.Es erscheinen Abhandlungen von Menschen, die die Prozesse aus nächster Nähe erlebt haben.
- 18. Jh.Gerichte verzichten auf Folter, und Geständnisse kommen nicht mehr automatisch zustande.
- SpäterDie Gesetze sind formal noch in Kraft, aber die Fälle führen nicht mehr zu einem Urteil.
Besonders wichtig ist der zweite Punkt. Die überzeugendsten Einwände kamen nicht von außenstehenden Skeptikern, sondern von Geistlichen und Juristen, die die Verurteilten persönlich begleitet hatten. Ihr Argument lautete nicht: „Hexerei gibt es nicht“, sondern: „Mit dieser Methode lässt sich die Wahrheit nicht feststellen.“
Das Argument ging so: Unter Folter gesteht jeder, auch ein unschuldiger Mensch. Ein Geständnis kann also nicht zwischen Schuldigen und Unschuldigen unterscheiden und deshalb kein Beweismittel sein. Dieses Argument war gerade deshalb stärker als theologische Streitigkeiten, weil es das Verfahren betraf.
Beendet wurde die Praxis nicht durch einen Streit über den Glauben, sondern durch einen Streit über Beweise. Als die Methode wegfiel, mit der man Bestätigungen gewann, verschwanden auch die Urteile.
Warum die Wellen abrupt abbrachen
Einzelne Ausbrüche endeten meist auf dieselbe Weise: Die Anschuldigungen erreichten Menschen, die man nicht glaubwürdig beschuldigen konnte, etwa die Ehefrauen von Amtsträgern, Geistliche und Verwandte von Richtern. Danach stoppten übergeordnete Stellen das Verfahren.
Ein bekannter amerikanischer Fall endete genau so. Als sich die Anschuldigungen im Kreis bewegten und die Zahl der Verdächtigen peinlich groß wurde, verbot der Gouverneur, Aussagen über Visionen anzunehmen, und die Fälle brachen innerhalb weniger Wochen zusammen.
Der Mechanismus der Ausweitung war derselbe wie bei anderen Massenprozessen: Jedes Geständnis verlangte die Nennung von Komplizen. Solange das funktionierte, wuchs die Welle von selbst, und stoppen konnte sie nur eine Änderung der Regeln, nicht die Prüfung einzelner Fälle.
Auch die Geografie sollte man im Blick behalten. Die Prozesse verliefen nicht gleichmäßig: Mancherorts gab es kaum welche, anderswo ging die Zahl in die Tausende. Der Unterschied lag vor allem am Aufbau der Gerichte und nicht an unterschiedlichen Vorstellungen der Bevölkerung.
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Quellen
- Das Ende der Hexenprozesse wird mit Veränderungen der Rechtspraxis in Verbindung gebracht: dem Verzicht auf Folter und der Nichtanerkennung von Aussagen über Visionen
- Kritik von innen wurde unter anderem von Geistlichen veröffentlicht, die die Verurteilten begleitet hatten