Rost in Planetengröße
Die Kruste des Mars besteht größtenteils aus Basalt, einem erstarrten Vulkangestein mit viel Eisen. Derselbe Basalt liegt auch in Island und auf Hawaii, und auch er rostet. Der Unterschied: Auf der Erde wird Rost schnell verborgen: Wasser spült ihn weg, Pflanzen überwuchern ihn, und die Plattentektonik zermahlt ihn und zieht ihn nach unten. Auf dem Mars gibt es nichts, was ihn beseitigt. Deshalb ist die oxidierte Schicht oben liegen geblieben.
Der dafür nötige Sauerstoff ist nicht der, den du atmest: In der Marsatmosphäre gibt es fast keinen. Als Oxidationsmittel wirkt jedoch Wasser - ultraviolettes Licht spaltet seine Moleküle, und der frei werdende Sauerstoff verbindet sich mit Eisen. Wie genau das ablief, ist bis heute umstritten: Nach der klassischen Vorstellung verlief die Oxidation sehr langsam und trocken und erstreckte sich über Milliarden Jahre. Eine Studie aus dem Jahr 2025 zeigte jedoch, dass die Spektren des Marsstaubs am besten durch Ferrihydrit erklärt werden - ein Mineral, das in kaltem Wasser entsteht. Dann fand die wichtigste Rostbildung früh statt, als es noch Wasser gab. Die Farbe ändert sich dadurch nicht, nur der Zeitpunkt.
Eisenoxide im Marsboden, ungefähr
Dann übernimmt der Wind. Die rostigen Partikel sind auf wenige Mikrometer zerkleinert - das ist Puder, kein Sand. Staubstürme wirbeln ihn auf und verteilen ihn über den ganzen Planeten, manchmal wochenlang über die gesamte Oberfläche. Deshalb ist der Mars gleichmäßig rötlich: Er hat keine rötlichen Regionen, sondern eine rötliche Schicht über allem.
Warum dein Auge Rot sieht
Farbe hat damit zu tun, was eine Oberfläche nicht reflektiert. Eisenoxide absorbieren kurze Wellenlängen gierig, den blauen und grünen Teil des Lichts, während sie lange Wellenlängen kaum beeinflussen. Ab etwa 600 Nanometern steigt das Reflexionsvermögen stark an - zu deinem Auge gelangt der verbleibende, warme Lichtanteil.
Allerdings ist »rot« ein starkes Wort. In Wirklichkeit ist der Mars eher rötlich-ockerfarben, näher an der Farbe rostigen Blechs; auf hellen Aufnahmen wird der Farbton durch die Bearbeitung oft zusätzlich verstärkt. Derselbe Staub färbt auch den Himmel: Tagsüber ist er auf dem Mars gelblich-braun, rund um die untergehende Sonne dagegen bläulich - genau umgekehrt wie bei uns.
Der Mars ist durch und durch rot - er besteht aus Rost.
Nur die oberste Schicht ist rostig: Mancherorts ist sie ein nur wenige Mikrometer dünner Belag, anderswo mehrere Meter abgelagerter Staub. Darunter liegt dunkelgrauer Basalt. Das siehst du jedes Mal, wenn die Räder eines Rovers eine Spur ziehen oder ein Bohrer Gestein aufschließt: Im Inneren ist das Gestein grau.
Warum sieht die Oberfläche des Mars rötlich aus?
Warum ist der Mars unter dem rötlichen Belag dunkelgrau?
Quellen
- Zusammensetzung des Bodens - Messungen von NASA-Landegeräten und -Rovern (Viking, Pathfinder, Curiosity)
- die Natur des Rosts - Spektraluntersuchungen des Marsstaubs, darunter eine Studie zu Ferrihydrit (Nature Communications, 2025)
Weiter in der Reihe „Mars“
2 Artikel vollständig auf der Website, noch 2 in der App
