Womit vor den Münzen bezahlt wurde
Vieh ist das älteste Wertmaß. Das lateinische pecunia, „Geld“, kommt von pecus, „Vieh“: Schon lange vor dem Prägen war es üblich, mit Rindern zu rechnen. In Mesopotamien wurde in Gerste und Silber gerechnet, und Schreiber hielten auf Tontafeln fest, wer wem wie viel schuldete. Eine solche Schuld konnte jahrelang bestehen, ohne dass überhaupt etwas den Besitzer wechselte.
Kaurimuscheln waren in China, Indien und Afrika im Umlauf: Sie lassen sich nur schwer fälschen und verderben nicht. Das chinesische Zeichen für „Muschel“ ist bis heute Bestandteil von Schriftzeichen, die mit Reichtum und Handel verbunden sind. Stoff, Getreide und Metall in Barren und Stücken funktionierten anders - sie wurden bei jedem Geschäft gewogen. Schekel, Mine und Talent waren ursprünglich Gewichtseinheiten und keine Bezeichnungen für Münzen.
Einen reinen Tausch „Sache gegen Sache“ finden Historiker in menschlichen Gemeinschaften nur selten: Innerhalb einer Gemeinschaft ist es einfacher, eine Schuld aufzuschreiben, als die Wünsche aller Beteiligten zusammenzubringen. Die Debatte darüber ist noch nicht abgeschlossen. Mit Fremden kam es aber zum Tauschhandel - und der stieß immer wieder auf dieselbe Hürde.
Ich tausche Töpfe. Was hast du?
Gerste. Einen vollen Sack.
Gerste brauche ich nicht, ich habe selbst welche.
Was brauchst du?
Wolle. Such jemanden, der deine Gerste braucht und Wolle hat.
Einfacher wäre es, wenn ich mir einen Topf leihe und ihn im Herbst zurückgebe.
Warum sich Metall durchsetzte
Damit etwas zu Geld werden kann, muss es vier Prüfungen bestehen: Fast alle brauchen es, es verdirbt nicht, es lässt sich teilen oder in Einheiten zählen, und man kann es nicht schnell herstellen. Vieh scheitert an der Teilbarkeit: Einen halben Stier kannst du nicht abgeben. Getreide verdirbt und braucht viel Platz. Muscheln funktionieren gut, bis jemand sie sackweise von der Küste heranschafft. Metall erfüllt alle vier Bedingungen.
Bei Metall nach Gewicht blieb ein Problem: Jedes Geschäft musste gewogen und auf Verunreinigungen geprüft werden. Die Münze löste genau das. Die ersten bekannten Münzen wurden in Lydien, in Kleinasien, etwa im 7. Jahrhundert v. Chr. aus Elektron geprägt - einer natürlichen Legierung aus Gold und Silber. Das Prägezeichen bedeutete: Gewicht und Qualität waren von der Person bestätigt worden, die die Münze geprägt hatte; die Waage musste nicht mehr herausgeholt werden. Wie gleichmäßig die Zusammensetzung der frühesten Münzen war, darüber streiten Numismatiker bis heute.
Münzen haben das Geld nicht erfunden - Geld gab es schon lange vor ihnen. Die Münze erfand die Prüfung: Das Prägezeichen machte das Wiegen bei jedem Geschäft überflüssig.
Warum machte die Münze das Wiegen bei jedem Geschäft überflüssig?
Warum war Tauschhandel mit Fremden oft umständlich?
Quellen
- Datierung der ersten Münzen - Standardbefund der Numismatik zum lydischen Elektron
- Rechnungen in Gerste und Silber - mesopotamische Wirtschaftstafeln
- Kritik an der Tauschhandelstheorie zur Entstehung des Geldes - Arbeiten der Anthropologen C. Humphrey (1985) und D. Graeber (2011)
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