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Ist Einsamkeit ansteckend?

Miqo-Redaktion · 1 Quelle

Was die Daten zeigen

Eine langjährige Beobachtung der Bewohner einer Stadt machte es möglich, ihre Verbindungen abzubilden: Wer mit wem befreundet ist und wer neben wem wohnt. Einsamkeit trat in Clustern auf und war nicht zufällig verteilt.

Der Zusammenhang zeigte sich nicht nur bei direkten Freunden, sondern auch ein oder zwei Schritte weiter im Netzwerk. Einsame Menschen landeten mit der Zeit außerdem am Rand des Netzwerks: Sie hatten immer weniger Verbindungen.

  1. Jemand fühlt sich einsam
  2. Er erwartet Ablehnung
  3. Er kommuniziert kühler
  4. Ein Freund zieht sich zurück

Weitergegeben wird hier nicht das Gefühl, sondern das Verhalten. Ein einsamer Mensch ist vorsichtiger, antwortet kürzer und lädt seltener ein - sein Gegenüber bekommt dadurch weniger Wärme als sonst und spürt nach einiger Zeit selbst, dass ihm etwas fehlt.

Wie sehr ist dem zu trauen?

Die Cluster in den Daten sind zuverlässig, die Schlussfolgerung einer Ansteckung ist jedoch umstritten: Menschen finden sich aufgrund von Ähnlichkeiten und Umständen zusammen, und das lässt sich nur schwer von Übertragung trennen

Der wichtigste methodische Einwand: Ähnliche Menschen schließen häufiger Freundschaft, während gemeinsame Umstände - ein Umzug, die Arbeit oder das Wohnviertel - alle gleichzeitig beeinflussen. Beide Erklärungen führen zum gleichen Muster wie eine Übertragung.

Wichtig ist, Einsamkeit und Alleinsein nicht zu verwechseln. Gemeint ist ein subjektiver Mangel an Nähe: Man kann sich in einem vollen Raum einsam fühlen und allein lebend nicht. In Studien wird genau dieses Gefühl gemessen, nicht die Zahl der Kontakte.

Vorsichtig formuliert heißt das: Einsamkeit konzentriert sich in Netzwerken, und ein Teil dieser Konzentration hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass Menschen einander beeinflussen. Wie groß dieser Teil ist, bleibt unbekannt.

Praktisch bedeutsam ist auch der zweite Befund derselben Beobachtung: Einsamkeit trat stärker zwischen Menschen auf, die häufig und eng miteinander zu tun hatten, als zwischen zufälligen Bekannten. Es geht also um den engen Kreis, nicht um eine Kontaktliste.

Die praktische Schlussfolgerung bleibt von der Debatte unberührt und funktioniert in beide Richtungen. Regelmäßige Aufmerksamkeit für jemanden, der sich zurückzieht, kostet wenig - und gerade am Rand eines Netzwerks hält sie die Verbindung aufrecht.

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Was zeigten die Daten zur Ausbreitung von Einsamkeit im sozialen Netzwerk?

Quellen

  1. Die Daten zur Clusterbildung von Einsamkeit in sozialen Netzwerken stammen aus der Framingham-Studie: Es wurde über eine höhere Verbreitung unter Freunden und eine Verschiebung einsamer Menschen an die Peripherie des Netzwerks berichtet. Die Schlussfolgerungen zur Ausbreitung wurden wegen der Schwierigkeit kritisiert, Einfluss, Homophilie und gemeinsame äußere Bedingungen voneinander zu trennen

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