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Was passierte, als in einem Werk das Licht eingeschaltet wurde

Miqo-Redaktion · 1 Quelle

Das Experiment, das aus dem Ruder lief

In den 1920er-Jahren wollte man in einem großen Werk herausfinden, bei welcher Beleuchtung Menschen am besten arbeiten. Die Aufgabe war klar und technisch: das Optimum finden. Man begann, die Beleuchtung zu erhöhen, und die Leistung stieg. Alles schien zusammenzupassen.

Dann begann man, das Licht zu dimmen, und erwartete einen Leistungsabfall. Doch die Leistung stieg weiter und blieb sogar bei fast mondhellem Licht stabil. Die technische Erklärung zerfiel, und eine andere tauchte auf: Die Menschen arbeiteten einfach besser, weil sie beobachtet wurden.

✕ MYTHOS

Das Experiment bewies, dass die Aufmerksamkeit für die Beschäftigten die Leistung ganz von selbst steigert.

✓ FAKT

Diese Formulierung entstand erst später und beruhte auf einer schwachen Grundlage. Als die ursprünglichen Aufzeichnungen erneut untersucht wurden, zeigte sich: Es gab nur wenige Gruppen, die Bedingungen änderten sich gleichzeitig mit anderen Dingen, und einige Anstiege fielen mit dem Beginn der Arbeitswoche zusammen.

Was die erneute Analyse zeigte

Jahrzehnte später fanden Forschende die ursprünglichen Daten und werteten sie neu aus. Einen klaren Effekt in reiner Form fanden sie nicht. Dafür zeigten sich andere Erklärungen: Die Arbeiterinnen waren für eine eigene kleine Gruppe ausgewählt worden, wurden anders bezahlt, bekamen Pausen und besprachen die Veränderungen mit den Forschenden.

Auswirkung der Beobachtung auf die Leistung: ursprüngliche Daten schwach, Wiederholungen nicht eindeutig

Das bedeutet nicht, dass die Idee selbst verworfen wurde. Dass die Teilnahme an einer Studie das Verhalten verändert, wird in vielen anderen Bereichen bestätigt: Menschen waschen sich häufiger die Hände, wenn sie wissen, dass sie beobachtet werden, und führen genauer Tagebuch, wenn jemand ihre Angaben überprüft. Das berühmte Werk hat es nur nicht bewiesen.

Warum die Geschichte so hartnäckig ist

Sie hat alles, was eine einprägsame Geschichte braucht: eine unerwartete Wendung, eine einfache Moral und eine praktische Schlussfolgerung für Vorgesetzte. Solche Geschichten werden lieber weitererzählt als Datenanalysen, und sie überleben ihre eigene Widerlegung um Jahrzehnte.

Ein nützlicher Rest bleibt trotzdem, und er ist methodischer Art. Jede Messung an Menschen verändert das, was gemessen wird, und das muss schon bei der Planung der Studie berücksichtigt werden - nicht erst am Ende der Diskussion.

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Quellen

  1. Die Hawthorne-Studien wurden von 1924-1932 durchgeführt. Eine erneute Analyse der erhaltenen ursprünglichen Daten aus den Jahren 2009-2011 bestätigte den Effekt in der behaupteten Form nicht