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Was du bei verschiedenen Bindungsstilen tun kannst

Miqo-Redaktion · 4 Quellen

Der Bindungsstil springt nur unter Stress an

Solange alles glattläuft, verhalten sich Menschen mit sicherem, ängstlichem und vermeidendem Stil ähnlich. Der Unterschied zeigt sich, wenn die Bindung bedroht scheint: Er antwortet knapp, sie ruft nicht zurück, ein Gespräch bricht mittendrin ab. Dann springt eine Strategie an, die lange vor dieser Beziehung entstanden ist: Was tun, wenn ein nahestehender Mensch plötzlich nicht erreichbar ist?

Im Kern gibt es 2 Strategien. Die erste verstärkt das Signal: noch einmal schreiben, anrufen, sofort eine Antwort bekommen. John Bowlby nannte das Protest - so ruft ein Kind nach einer erwachsenen Bezugsperson, die weggegangen ist. Die zweite dämpft das Signal: dir sagen „Ich brauche das sowieso nicht“, dich in die Arbeit stürzen, den Raum verlassen. Beide haben einmal geholfen. Beide schaden Beziehungen, wenn sie automatisch anspringen. Bei einem ängstlichen Stil willst du sofort eine Antwort - das Gegenteil hilft: Sag laut, was genau du hören möchtest, und halte die Pause aus. Bei einem vermeidenden Stil willst du auf Abstand gehen und schweigen - was hilft, ist nicht Schweigen, sondern eine Frist: Sag, dass du eine Stunde brauchst, und nenne die Zeit, zu der du zurück bist.

Die ersten Minuten eines Streits zählen mehr als Argumente

Es liegt nicht daran, dass ihr verschieden seid. Sondern daran, dass eure Strategien einander verstärken: Je hartnäckiger eine Person hinterhergeht, desto mehr Abstand braucht die andere, und je weiter sie sich zurückzieht, desto lauter wird der Protest. Es geht dann nicht mehr um das Geschirr oder eine Nachricht, sondern darum, ob der Mensch überhaupt erreichbar ist. Einige Daten deuten darauf hin, dass der Mensch, der äußerlich ruhig bleibt, körperlich nicht weniger erregt ist: Schweigen heißt nicht immer, dass es ihm egal ist.

Deshalb suchst du bei jedem Stil nicht zuerst nach den richtigen Worten, sondern wartest, bis dein Körper sich beruhigt. Solange dein Puls hoch ist, liefert dir dein Gedächtnis vor allem Belege für das Schlimmste. Bei einem ängstlich-vermeidenden Stil schwankst du mal zur Person hin, mal von ihr weg - senke erst die Erregung in deinem Körper und verschiebe Entscheidungen und Gespräche auf später. Bei einem sicheren Stil möchtest du vielleicht alles sofort im Gespräch lösen - aber zieh niemanden in ein Gespräch, wenn die Person es noch nicht kann; vereinbart stattdessen eine Zeit. Und der Impuls selbst - noch einmal zu schreiben oder die Tür knallend hinter dir zu schließen - kommt nicht am Stück, sondern in Wellen.

Ein Muster, kein Messwert: Reagierst du nicht auf die erste Welle, ist jede nächste meist schwächer.

Daraus folgt eine Regel für alle Stile: Handle nicht auf dem Höhepunkt. Schick nicht die Nachricht ab, die sich wie von selbst schreibt, geh nicht schweigend weg, stell kein Ultimatum. Eine Welle flaut ab, und Entscheidungen, die im Abklingen getroffen werden, musst du später meist nicht umschreiben.

4s einatmen6s ausatmen

Atme länger aus als ein: So fällt es leichter, auf die Pause zwischen Impuls und Worten zu warten

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Quellen

  1. Bowlby J., „Bindung“ (1969)
  2. Ainsworth M. et al., Patterns of Attachment (1978)
  3. Hazan und Shaver, JPSP (1987)
  4. Mikulincer und Shaver, Attachment in Adulthood (2007)