Was auf den Tisch kam
Das Verhältnis lässt sich einfach erklären. Getreide lieferte im Verhältnis zum Arbeitsaufwand am meisten Energie und ließ sich lagern, während man für Fleisch ein Tier halten musste, das lebend wertvoller war - als Quelle für Milch, Wolle oder Zugkraft.
Historiker schätzen, dass Brot und Brei bis zu zwei Drittel aller Kalorien ausmachten. Daher bedeutet das Wort „Brot“ in vielen Sprachen auch allgemein „Essen“.
Was anders war, als es scheint
Bäuerinnen und Bauern tranken Bier und Wein, weil Wasser gefährlich war.
Sie tranken Wasser, und zwar viel: Brunnen und Quellen waren die wichtigsten Trinkwasserquellen. Dünnes Bier und verdünnter Wein waren verbreitet, aber als Nahrung und als Teil des Arbeitslohns, nicht weil die Menschen Angst vor Wasser hatten.
Ein weiterer Unterschied zum verbreiteten Bild betrifft die Vielfalt. Der Garten lieferte Kohl, Rüben, Zwiebeln und Bohnen, der Wald Pilze, Beeren und Nüsse. Eintönig wurde die Ernährung nicht immer, sondern am Ende des Winters, wenn die Vorräte ausgingen.
Deshalb teilte sich das Jahr in eine üppige und eine magere Hälfte. Im Herbst aß man deutlich besser als im Frühling, und die Frühlingsmonate vor der neuen Ernte waren die härtesten - so werden sie auch in den Quellen bezeichnet.
Auch geografisch gab es große Unterschiede. In Küstenregionen ersetzte Fisch das Fleisch und gehörte zum Alltag. In Bergregionen wurden Milchprodukte zur Grundlage, weiter im Süden Olivenöl und Hülsenfrüchte.
Ein weiteres Detail ist die Zubereitung. Der Ofen wurde nicht jeden Tag angeheizt, deshalb buk man Brot einmal pro Woche oder noch seltener, während warme Speisen in einem einzigen Topf zubereitet wurden. Daher waren Suppen so verbreitet: Das war keine Geschmacksfrage, sondern eine Möglichkeit, mit einem Topf und einem Feuer auszukommen.
Auch neue Lebensmittel veränderten das Bild. Das Aufkommen der Kartoffel in Europa stellte die Ernährung ganzer Regionen innerhalb weniger Generationen auf den Kopf: Sie lieferte auf derselben Fläche mehr Nahrung und ließ sich den ganzen Winter über lagern.
Was bildete die Grundlage der bäuerlichen Ernährung?
Stimmt es, dass man wegen der Gefahr kein Wasser trank?
Quellen
- Ernährungshistoriker schätzen, dass Getreide den größten Teil der Kalorien in der bäuerlichen Ernährung ausmachte
- Fleisch wurde gelegentlich gegessen, während die saisonalen Schwankungen bei der Verfügbarkeit von Lebensmitteln stärker ausgeprägt waren als die Unterschiede zwischen den Jahrhunderten
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