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Warum man im Mittelalter zweimal pro Nacht schlief

Miqo-Redaktion · 2 Quellen

Eine Nacht, in zwei Hälften geteilt

Der Historiker Roger Ekirch sammelte mehr als fünfhundert Erwähnungen des „ersten“ und „zweiten Schlafs“ - in Tagebüchern, Gerichtsakten, medizinischen Abhandlungen und Gedichten. Ihre Verfasser erklären nichts: So schreibt man über etwas, das alle verstehen. Ein Zeuge merkt an, dass er „nach dem ersten Schlaf“ ein Geräusch gehört habe - und das genügte, um zu wissen, um welche Uhrzeit es ging.

Bis zum Ende der Frühen Neuzeit schliefen die meisten Westeuropäer in zwei Abschnitten.
Roger Ekirch, Historiker

Die Zeit zwischen den beiden Schlafphasen war nicht leer. Man betete, legte Holz nach, flickte Kleidung, redete im Dunkeln und ging über den Hof zu den Nachbarn. Im Französischen gab es für diesen Zustand sogar ein eigenes Wort - dorveille, „Schlaf-Wach-Zustand“.

Es lag nicht an einer Gewohnheit, sondern an der Länge der Dunkelheit. Im Winter dauerte die Nacht vierzehn Stunden und länger, und so lange am Stück kann ein Mensch nicht schlafen. Der Schlaf verteilte sich über die Nacht und riss in der Mitte ab.

  1. SonnenuntergangMan geht früh ins Bett: Bei diesem Licht gibt es nichts mehr zu arbeiten.
  2. MitternachtDer erste Schlaf ist vorbei, und man wacht von selbst auf.
  3. 1 Uhr nachtsEine ruhige Stunde: beten, reden, kleine Arbeiten bei der Glut.
  4. Vor der MorgendämmerungDer zweite Schlaf - dann Aufstehen bei Sonnenaufgang.

Was die Dunkelheit zeigte

Anfang der neunziger Jahre gab Thomas Wehr am Nationalen Institut für psychische Gesundheit den Menschen eine lange Nacht zurück. Einen Monat lang verbrachten die Teilnehmenden vierzehn Stunden in völliger Dunkelheit - ohne Lampen, Bildschirme oder Uhren.

Nach einigen Wochen teilte sich ihr Schlaf in zwei Hälften. Man schlief ein, schlief etwa vier Stunden, wachte auf, lag ein oder zwei Stunden ruhig im Halbschlaf - und schlief wieder ein. Dabei gab es keine Unruhe: Der Hormonspiegel ähnelte in diesen Stunden eher tiefer Ruhe als einem Aufwachen.

14 Std.Dunkelheit pro Nacht
4 Wo.dauerte der Versuch
1-3 Std.Pause zwischen den Schlafphasen

Der Mechanismus ist einfach. Melatonin wird gebildet, solange es dunkel ist; lange Dunkelheit dehnt dieses Zeitfenster aus, und der Schlaf muss nicht in einen einzigen Abschnitt passen. Elektrisches Licht bewirkte das Gegenteil: Es bleiben nur etwa acht Stunden Dunkelheit, und der Schlaf bündelt sich zu einem Block.

Daraus lässt sich leicht ein schöner Schluss ziehen: Wenn zwei Schlafphasen älter sind, müssen sie auch besser sein, und unsere acht Stunden am Stück seien eine Fehlentwicklung. Doch in denselben Daten steckt ein Einwand.

Unsere Nacht - der Schlaf wird wieder zu einem Abschnitt
8 Stunden Dunkelheit14 Stunden Dunkelheit
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Warum war der Schlaf früher oft in zwei Teile geteilt?

Quellen

  1. Roger Ekirch, „Am Ende des Tages: Die Nacht in vergangenen Zeiten“ (2005)
  2. Thomas Wehr, Experiment mit 14 Stunden Dunkelheit, Journal of Sleep Research (1992)

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