Woher man das weiß
Das Phänomen wurde schon Anfang des 20. Jahrhunderts beobachtet: Offiziere sollten ihre Untergebenen nach verschiedenen Eigenschaften beurteilen, und die Bewertungen fielen im Gleichschritt aus. Wer als gut in Form galt, bekam sowohl für Intelligenz als auch für Charakter hohe Punktzahlen.
Später wurde das genauer überprüft. Den Teilnehmenden wurde dieselbe Person in zwei Aufnahmen gezeigt, einmal freundlich und einmal kühl, und im zweiten Fall gefielen ihnen sogar Aussehen und Akzent der Person weniger.
Am unangenehmsten ist, wie unbemerkt der Effekt bleibt. Die Menschen bestritten selbstbewusst, dass ihr Gesamteindruck ihre Einzelbewertungen beeinflusst hatte, obwohl der Einfluss in den Daten offensichtlich war.
Auch die umgekehrte Seite funktioniert: Ein abstoßendes Merkmal zieht alles andere nach unten. Es ist derselbe Mechanismus, und in Studien wird er manchmal als Horn-Effekt bezeichnet.
Wo er stört
- Jeweils ein Merkmal beurteilen und die Bewertung notieren, bevor du dir die anderen ansiehst
- Eindruck und Fakten trennen: getrennt festhalten, was dir angenehm ist und was die Person getan hat
- Unnötige Informationen ausblenden, wo das möglich ist: anonymisierte Arbeitsproben, Vorsprechen hinter einer Sichtblende
- Dich fragen, was du tatsächlich über die Person weißt und was du daraus geschlossen hast
- Die Kompetenz nach Sprechweise und Aussehen beurteilen
- Den ersten Eindruck mit Fragen überprüfen, deren Antwort du bereits kennst
- Annehmen, dass du dagegen immun bist: In Experimenten änderte diese Überzeugung nichts
- Direkt nach einem angenehmen Gespräch eine Entscheidung treffen
Bei Bewerbungsgesprächen wird dieser Effekt schon lange gemessen: Ein ansprechendes Aussehen und selbstsicheres Sprechen erhöhen die Bewertung von Fähigkeiten, die im Gespräch überhaupt nicht geprüft wurden. Daher gibt es strukturierte Interviews.
Auch in Beziehungen ist er erkennbar, besonders am Anfang. Verliebtheit schreibt einer Person Eigenschaften zu, die niemand beobachtet hat, und die spätere Enttäuschung ist oft keine Veränderung der Person, sondern ein Nachlassen des Halo-Effekts.
Es hilft auch, daran zu denken, dass der Halo-Effekt über die Zeit nicht symmetrisch ist. Er entsteht in Sekunden, braucht aber Monate, um sich aufzulösen, und beeinflusst während dieser ganzen Zeit, was du bemerkst und was dir entgeht.
Was ist der Halo-Effekt?
Was war in Experimenten die unangenehmste Eigenschaft dieses Effekts?
Quellen
- Der Halo-Effekt wurde 1920 anhand von Bewertungen durch Offiziere beschrieben und vielfach reproduziert: Ein Gesamteindruck von einer Person verschiebt die Bewertung ihrer einzelnen Eigenschaften. In Experimenten war den Teilnehmenden nicht bewusst, dass ihr Gesamteindruck ihre Einzelurteile beeinflusste. Der Effekt wurde bei der Kompetenzbewertung in Einstellungsverfahren gezeigt und bildet die Grundlage für Empfehlungen zur Strukturierung von Bewerbungsgesprächen
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