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Wie abgestandenes Popcorn eine Gewohnheit entlarvte

Miqo-Redaktion · 1 Quelle

Das Experiment, bei dem das Essen absichtlich verdorben wurde

Die Psychologen David Neal und Wendy Wood stellten die Gewohnheit auf die Probe. Vor der Vorstellung bekamen etwa 100 Kinobesucherinnen und Kinobesucher jeweils einen Eimer Popcorn. Einige erhielten frisches, andere Popcorn, das eine Woche zuvor zubereitet worden war: feucht, zäh und eindeutig ungenießbar. Niemand tat so, als wäre es gut: Beim Hinausgehen bewerteten die Menschen es ehrlich mit niedrigen Noten.

Dann wurde es interessant. Bei denjenigen, die selten im Kino Popcorn essen, wirkte der schlechte Geschmack als Abschreckung: Sie aßen deutlich weniger als ihre Nachbarinnen und Nachbarn mit dem frischen Eimer. Bei den Kinobesucherinnen und Kinobesuchern mit einer festen Gewohnheit gab es dagegen kaum einen Unterschied. Sie aßen das abgestandene Popcorn genauso, wie sie das frische gegessen hätten.

Dunkler Kinosaal

Popcorn von letzter Woche. Wer es gewohnt war, im Kino welches zu kaufen, wurde kaum langsamer: Der Geschmack beeinflusste die Entscheidung nicht.

Gewöhnlicher Besprechungsraum

Dasselbe abgestandene Popcorn und dieselben regelmäßigen Kinobesucherinnen und Kinobesucher, aber statt einer Vorstellung liefen Videos am Tisch. Hier aßen sie deutlich weniger: Die Gewohnheit war nicht mit dem Eimer mitgereist.

Die Umgebung löst die Gewohnheit aus, nicht der Geschmack

Eine Gewohnheit ist eine Verbindung aus „Signal → Handlung“, bei der das Ziel keine Rolle mehr spielt. Dunkelheit, der Sitz, Werbung vor dem Film, ein Eimer auf dem Schoß: Dieses ganze Paket endete viele Male damit, dass die Hand zum Popcorn griff. Nach genügend Wiederholungen löst das Signal die Bewegung direkt aus und umgeht die Frage: „Will ich das überhaupt essen?“ Der Geschmack wird erst im Nachhinein geprüft, falls überhaupt.

Deshalb funktionierte der abgestandene Geschmack nicht als Stoppsignal. Er war ein Argument in einem Gespräch, das nie stattfand.

Popcorn im dunklen Kinosaal
Ich esse, weil es schmecktIch esse, weil es sich so gehört

In derselben Versuchsreihe sollten die Kinobesucherinnen und Kinobesucher mit der ungewohnten Hand essen. Das klingt albern, aber es unterbricht die erlernte Bewegung, und Menschen mit einer starken Gewohnheit aßen sofort weniger von dem unappetitlichen Popcorn. Nicht, weil sie sich stärker beherrschten, sondern weil die Handlung nicht mehr automatisch ablief und der Geschmack endlich mitreden durfte. Das waren mehrere Experimente zu einer ganz bestimmten Gewohnheit. Deshalb sollte man dieses Maß nicht auf alles übertragen, aber der Mechanismus wird darin sehr deutlich.

4s einatmen6s ausatmen

Pause vor der zweiten Handvoll

Ein langsames Ein- und Ausatmen, bevor du wieder in die Tüte greifst, funktioniert nach demselben Prinzip wie die ungewohnte Hand. Das ist keine Willenskraft: Die Pause unterbricht einfach die Kette aus „Signal → Bewegung“ und schafft eine Lücke, in die sich die Frage nach dem Geschmack einschieben kann.

  • Achte nicht auf das Essen, sondern auf den Moment: Wo sitzt du, was läuft, was hältst du in den Händen?
  • Frag dich vor der zweiten Handvoll: Schmeckt es, oder läuft es einfach nach Gewohnheit?
  • Mach die Bewegung ungewohnt: Nimm die andere Hand, einen Teller statt der Tüte, stell den Eimer nicht auf deinen Schoß
  • Verändere die Umgebung, nicht deine Entschlossenheit: Das Signal lässt sich leichter steuern als du selbst

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Noch 1 Minute, und am Ende ein Quiz. Zu finden unter „Psychologie → Gewohnheiten“

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Quellen

  1. D. T. Neal, W. Wood, M. Wu, D. Kurlander, „The Pull of the Past: When Do Habits Persist Despite Conflict With Motives?“, Personality and Social Psychology Bulletin, 2011