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Warum am Tatort immer Spuren bleiben

Miqo-Redaktion · 1 Quelle

Der Austausch geht in beide Richtungen

Du setzt dich auf ein Sofa und hinterlässt dabei Kleidungsfasern und Haare, während du Polsterfasern mitnimmst. Du gehst über den Boden und hinterlässt dabei einen Schuhabdruck, während du Erdpartikel mitnimmst. Du nimmst einen Gegenstand in die Hand und hinterlässt dabei Hautspuren, während du mikroskopisch kleine Farb- oder Metallpartikel mitnimmst.

Kein Kontakt ohne Materialaustausch. Es gibt nur Spuren, die nicht gefunden oder nicht richtig interpretiert wurden.

Ein französischer Kriminalist formulierte diese Regel vor mehr als einem Jahrhundert, und seitdem hat sie sich nicht verändert. Nur die Empfindlichkeit der Geräte hat zugenommen: Was früher nur Theorie war, lässt sich heute tatsächlich nachweisen.

Deshalb sammeln Kriminaltechniker nicht nur das Offensichtliche. Sie saugen den Teppich ab, schneiden Proben aus der Polsterung, nehmen Fasern mit Klebeband ab und sichern Erde von Schuhen. Für sich allein bedeutet all das nichts und wird erst durch den Vergleich mit einem anderen Ort aussagekräftig.

Wie sich eine Spur von einem Beweis unterscheidet

✕ MYTHOS

Man hat ein Partikel einer Person gefunden, also war sie am Tatort.

✓ FAKT

Material kann auch über Vermittler übertragen werden: durch einen Händedruck, einen gemeinsam benutzten Türgriff oder fremde Kleidung. Diese Art der Übertragung wurde in Experimenten nachgewiesen, und ein einzelnes gefundenes Partikel zeigt nicht, wie es dorthin gelangt ist.

Die Möglichkeit einer sekundären Übertragung ist das größte Problem der modernen Kriminaltechnik. Die Methoden sind so empfindlich geworden, dass sich Spuren einzelner Zellen nachweisen lassen. Dadurch wird die Frage, wie ein solcher Fund dorthin gelangt ist, wichtiger als die Tatsache, dass er gefunden wurde.

Daraus folgt eine Regel: Eine einzelne Spur entscheidet einen Fall fast nie. Entscheidend ist das Gesamtbild: mehrere verschiedene Spuren, die miteinander übereinstimmen, plus eine Erklärung dafür, wie jede einzelne dorthin gelangt sein könnte.

Und die andere Seite

Das Prinzip kann auch der Verteidigung zugutekommen. Das Fehlen erwartbarer Spuren ist ebenfalls eine Information: Wenn jemand angeblich in einem Raum gekämpft hat, müssten sich an dieser Person und im Raum gegenseitige Spuren finden. Ihr Fehlen ist genauso erklärungsbedürftig wie ihre Anwesenheit.

Du solltest auch die Grenzen des Prinzips kennen. Es besagt, dass ein Austausch stattgefunden hat, nicht dass die Spur erhalten geblieben ist. Fasern fallen ab, Haut reibt sich ab, und Regen wäscht Erde weg. Deshalb ist die Zeit zwischen dem Ereignis und der Untersuchung nicht weniger wichtig als die Gründlichkeit der Untersuchung selbst.

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Was besagt das Grundprinzip der Kriminalistik?

Quellen

  1. Das Prinzip des gegenseitigen Materialaustauschs bei Kontakt wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von Edmond Locard formuliert. Die Möglichkeit der sekundären Übertragung biologischen Materials wurde experimentell bestätigt

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