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Warum Serienmörder jahrelang gesucht werden

Miqo-Redaktion · 1 Quelle

Zuerst muss man die Serie überhaupt erkennen

Ein Fall beginnt fast nie als Mordserie. In einem Bezirk wird eine Leiche gefunden, 8 Monate später eine ähnliche im Nachbarbezirk, ein Jahr darauf eine dritte in einem anderen Bundesstaat. Für jeden sind andere Ermittler zuständig, mit eigener Akte, eigenen Fristen und 20 weiteren Fällen. Niemand kann die Fälle miteinander vergleichen: Dafür braucht es jemanden, der alle 3 zugleich sieht, und so eine Rolle gibt es in der Struktur oft einfach nicht. Kriminologen haben dafür einen Namen: Blindheit für Zusammenhänge.

Ein zweites Problem ist das Hintergrundrauschen. Ein ungelöster Mord wirkt nicht ungewöhnlich: Davon gibt es ohnehin viele. Ein zusätzlicher Fall in der Statistik eines Bezirks fällt nicht auf, also gibt es keinen Anlass, Alarm zu schlagen.

Etwa so viele Tötungsdelikte werden in den USA in den letzten Jahren aufgeklärt; Mitte der 1960er waren es etwa 90%

Der Name des Täters liegt oft von Anfang an in der Akte

Die Opfer werden nicht zufällig ausgewählt. Häufig sind es Menschen, deren Verschwinden erst spät auffällt: Menschen ohne festen Wohnsitz, Jugendliche auf der Flucht, Frauen, die auf der Straße arbeiten. Eine Anzeige wird erst Wochen später erstattet, nicht innerhalb eines Tages. Bis dahin ist die Spur kalt, Zeugen sind weggezogen, und das Auto, in dem man sie zuletzt gesehen hat, wurde längst gewaschen.

Dann beginnt die zweite Falle: Der Verdächtige wurde schon gefunden, aber nicht erkannt. Gary Ridgway, der in der Nähe von Seattle Dutzende Frauen tötete, geriet schon Anfang der 1980er ins Visier der Polizei. Er wurde verhört, 1984 einem Polygraphentest unterzogen, 1987 nahm man eine Speichelprobe von ihm. Die Probe lag bis 2001 im Lager - bis die DNA-Analyse genau genug war, um ihn mit den Opfern zu verbinden. Die ganze Zeit war der Täter nicht versteckt, sondern einfach nicht überprüft.

  1. Einer - von Anfang an auf der Liste
  2. Dutzende plausible Verdächtige
  3. Tausende Namen in der Kartei
  4. Meldungen, die niemand zu Ende liest

Ein psychologisches Profil grenzt die Liste weniger ein, als du denkst

Im Film streicht ein psychologisches Profil nach einem Gespräch die Falschen von der Liste. In Wirklichkeit beschreibt es einen Typ: ungefähres Alter, wahrscheinlichen Beruf, Gewohnheiten. Das hilft, die Liste zu priorisieren, weist aber fast nie auf eine konkrete Person hin. Als Forschende fertige Profile mit tatsächlich gefassten Tätern verglichen, lag die Trefferquote nur wenig über der von Menschen ohne spezielle Ausbildung, die dieselben Unterlagen gelesen hatten. Fälle werden häufiger durch langweilige Dinge gelöst: einen Treffer in der Datenbank, eine rechtzeitig untersuchte Probe, ein in der Nähe ausgestelltes Knöllchen.

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Warum werden ähnliche Morde oft lange nicht als Serie erkannt?

Quellen

  1. Nach FBI-Daten zur Aufklärungsquote bei Tötungsdelikten (Uniform Crime Reports), Fallakten zu Gary Ridgway und Forschungsübersichten zur Treffergenauigkeit kriminalistischer Profile

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