So sah das Experiment aus
Ein Kind wurde an einen Tisch gesetzt, vor ihm lag eine Süßigkeit, und man sagte ihm: Du kannst sie jetzt essen oder warten, bis die erwachsene Person zurückkommt, dann bekommst du zwei. Die erwachsene Person ging für ungefähr eine Viertelstunde weg. Die Kinder halfen sich, so gut sie konnten: Sie drehten sich weg, sangen und hielten sich die Augen zu.
Viele Jahre später nahmen die Forschenden Kontakt zu einem Teil der Teilnehmenden auf und stellten fest, dass diejenigen, die länger durchgehalten hatten, im Durchschnitt besser in der Schule waren und seltener mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. Daraus entstand eine Schlussfolgerung, die sich in Büchern verbreitete: Die Fähigkeit zu warten bestimmt dein Schicksal.
Das Problem der ursprünglichen Studie lag nicht in der Methode, sondern in der Größe und Zusammensetzung der Gruppe. Die Kinder stammten überwiegend aus Familien von Universitätsmitarbeitenden, also aus einem sehr ähnlichen und privilegierten Umfeld, und es waren nur wenige. Bei einer solchen Stichprobe kann man einen Zufall leicht für ein Muster halten.
Was die Überprüfung zeigte
Für die neue Studie wurden zehnmal mehr Teilnehmende aus unterschiedlichen sozialen Schichten gewonnen. Es gab einen Zusammenhang zwischen dem Warten mit vier Jahren und späteren Erfolgen, aber er war ungefähr halb so stark. Vor allem verschwand er fast vollständig, wenn man die Bildung der Mutter und das Einkommen der Familie berücksichtigte.
Warten mit vier Jahren als Vorhersage für das Schicksal: schwacher Zusammenhang, durch das Umfeld erklärt
Für das Verhalten selbst kam noch eine andere Erklärung hinzu. In einem Experiment, bei dem eine erwachsene Person das Kind zuvor einmal getäuscht hatte, warteten die Kinder deutlich kürzer. Das Warten misst also nicht nur Selbstkontrolle, sondern auch Erfahrung: ob es sich lohnt zu glauben, dass das Versprochene tatsächlich gebracht wird.
Für ein Kind, bei dem Essen unvorhersehbar auftauchte, ist es eine vernünftige Strategie und keine Schwäche, sofort zu essen. Der Test erfasste also teilweise die Lebensbedingungen der Familie, und genau diese Bedingungen beeinflussten später auch das Schicksal des Kindes. Der Zusammenhang besteht, aber die Ursache liegt nicht dort, wo man sie gesucht hat.
Warum verschwand der Zusammenhang zwischen Warten und späteren Erfolgen fast vollständig?
Was kann die Weigerung eines Kindes, auf eine Süßigkeit zu warten, noch zeigen?
Quellen
- Ursprüngliche Experimente: Walter Mischel, Stanford, Ende der 1960er-Jahre und in den 1970er-Jahren. Überprüfung mit einer größeren und vielfältigeren Stichprobe: Watts, Duncan und Quan, 2018. Den Einfluss der Zuverlässigkeit der erwachsenen Person zeigten Kidd und Kollegen, 2013
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